Dort sah sie ein paar große Hörner, die wie ein Schneepflug durch ein unentwirrbares Gewimmel hindurchpflügten, und dort wieder sah sie Brandros in ihrem Stande stehen; den Kopf zur Seite geneigt und einen großen Lappen um das eine Horn gewickelt, glich sie genau einem alten Weibe, das sich Kopfschmerzen wegen ein Tuch um die Stirn gebunden hat; und dort — ihr war, als sähe sie deutlich einen Vers geschrieben, den sie einmal gehört hatte:

Kälbchen springen, Schwänzchen schwingen

Hoch in der Luft.

Und dann schlummerte Sidsel Langröckchen ein.

* *
*

Am nächsten Tage bekam Sidsel Langröckchen den Hirtenranzen aufgeschnallt und zog mit dem Kleinvieh in den Wald — Krummhorn bekam sie nicht mit; die trabte spornstreichs nach dem Nordanger hinauf zu den Kühen.

Dieser Tag wurde ihr lang; es war so wunderlich einsam und still im Walde; sie mußte unwillkürlich an so vielerlei denken, an die Mutter, an Jakob und an Schloß Guckaus, und da konnte es wohl geschehen, daß ihr die Tränen kamen.