Nein, wirklich? Ja, da ist es freilich nicht so leicht für deine Mutter. Wird denn die Bliros lange trocken stehen?

Freilich, sie soll ja erst zum Sommer hin kalben.

Hm!

Kjersti wurde nachdenklich und sagte wie für sich selber:

Ich habe wirklich schon oft vorgehabt, Rönnaug zu besuchen, aber es ist nie etwas draus geworden; nun will ich aber sehen, ob ich nicht in diesem Frühjahr einmal dazu komme.

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Sidsel Langröckchen blieb an dem Tage lange auf Hoël. Obwohl sie als Spinnfrau gekommen war, hätte sie es sich doch nie träumen lassen, daß eine Großbäuerin wie Kjersti Hoël so leutselig und freundlich zu ihr sein könnte. Sie bewirtete sie mit allerlei Eßwaren, mit Kaffee, Milch und Kuchen, als wäre sie zu Gaste geladen; und sie unterhielt sich mit ihr so freundlich, daß sie alle Schüchternheit ganz vergaß. Und wie viel Merkwürdiges zeigte sie ihr!

Der Kuhstall war nun aber doch das Allerfeinste. So viele Kühe, daß sie sie kaum zählen konnte, und Schweine, Schafe und Ziegen! Und in einem großen Hühnerstall eine ganze Masse Hühner, ganz sicher so viele, wie es im Herbst oben auf Guckaus Krähen gab!

Und über alles wollte die Großbäuerin genaue Auskunft haben, ob sie lesen und schreiben könne — nun, das konnte sie, das hatte sie ja vom Jakob gelernt —, und ob sie oben auf Schloß Guckaus genug zu essen hätten, und wie die Ernte ausgefallen wäre.

Und Sidsel konnte erzählen, sie hätten im Herbst drei Scheffel Kartoffeln geerntet und einen Scheffel und sechs Liter Mischkorn, und so viel Laub hätten sie gesammelt, daß sie reichlich Futter hätten, um Bliros den Winter durchzufüttern, und sogar noch mehr.