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Tief in der Nacht erscholl ein Läuten durch das stille Haus. ‚Der Vater!‘ dachte Marie und ebenso dachte es die Mutter. Beide waren außerordentlich erregt und konnten nirgends ein Streichholz finden.
Inzwischen läutete es auf eine unaufhörliche, nervenerregende Weise.
„Um Gotteswillen, was ist geschehen!“ Das sagte die Mama wohl zwanzig Mal, während sie im Dunkeln tappte und suchte und die Läuterei kein Ende nahm.
„Vielleicht ist alles wieder aus! Du lieber Himmel!
So kann es nur läuten, wenn ein Unglück geschehen ist, so läutet kein vernünftiger Mensch!“
Sie tappten und tappten.
Endlich!
Wie im Fieber, zähneklappernd, mit angstvollem Herzschlag huschte Mama in Nachtjacke, Bambuschen und grauem Flanellrock die Treppe hinab.
Bebend, mit zitternden Gliedern, schloß sie auf, öffnete die Thür, — da fiel ihr Lateinschüler und Sorgensohn Karl ihr in die Arme, mit dem Kopf voran, total bezecht.