Mama war es auch vorgekommen, als behandelte er Karln Tags darauf mit einer kameradschaftlichen Schonung und Diskretion.
Damals zog er ihn auch bei einer Angelegenheit mit in den Familienrat.
Es handelte sich darum, ob Isolde doch nicht noch zur Lehrerin ausgebildet werden solle.
Den Familienrat pflogen Papa, der älteste Sohn und Karl, der kurz vordem die erste Weihe als vollwichtiger männlicher Mann empfangen hatte.
Alle drei beschlossen einmütig, daß Isolde kein Blaustrumpf werden dürfe, trotzdem die Familie so gut wie kein Vermögen besaß und jeder nach dem Tod des Vaters auf sich selbst angewiesen war.
All’ dies kam Mama wieder lebendig in die Erinnerung, als sie mit Marie ihren dicken Sprößling die Treppe hinaufbugsierte.
Oben angekommen, machte sie sich daran, Karl einen schwarzen Kaffee zu kochen.
Inzwischen beängstigte dieser im Zimmer seine Schwester Marie, die auf ihn Acht haben sollte, daß er mit der Lampe nichts anrichte.
Und wie ein heiliges Vermächtnis seiner Ahnen und Vorgänger, war diesem angehenden Jüngling in seiner Beneblung und Hilflosigkeit die Weibverachtung als das Nächstliegende erschienen. Die Schwester hatte in dieser Stunde etwas vor ihm voraus; das paßte ihm nicht. Er fühlte den dunkeln Trieb, die Hand gegen sie zu erheben, als sie ihm irgend etwas wehrte, — und machte Anstalt dazu.
Da schrie sie auf, warf sich vor einen Stuhl nieder, preßte ihren Kopf in das Polster und schluchzte angstvoll.