„Isolde ist bei weitem interessanter.“

„Mag sein. Beste Mary, — eine interessante Frau? Dazu kunstsinnig, mitempfindend, nachempfindend — Gott weiß, was noch! Alle Achtung! Nein — nicht um die Welt! Und außerdem ist Fräulein Isolde auch in anderer Beziehung nicht mein Geschmack. So etwas heiratet man nicht. Sie ist herb, wie eine junge Quelle? Nicht wahr?“ Er lächelte fein und kühl. „Und ich behaupte, sie ist ein kleiner, frecher Dachs, dem es recht gut thun wird, wenn sie sieht, daß man ihre Schwester ihr vorzieht. Ich glaube, diese Erfahrung ist außerordentlich wichtig für das Mädchen.“

Mrs. Wendland lächelte: „Also aus erzieherischen Gründen wollen Sie Marie die Resten von Ihr Dessert geben und nicht Isolden? Sie werden ein ganz reizender Ehemann werden. Cold as charity — kalt wie die Barmherzigkeit, man sagt. O, ich möchte mich nicht mit Ihnen heiraten, lieber Henry. Mich friert, holen Sie mir, meinen kleinen Shawl, bitte.

Ach und nun werden Sie also philiströs; ein Mann, was hat gelebt, wie du, ist so komisch als tugendhafte Ehemann zu denken!

Nun, also heiraten Sie sich die kleine Frey.

Sie machen immerhin ein ganz gutes Geschäft.“

Henry Mengersen dachte: ‚O, meine gute Mistreß, — also doch nicht ganz angenehm überrascht?‘

„Und Sie sind der erste, der sich von dem neuen Geld der Freys kaufen läßt?“ fragte sie und beugte sich in ihrem Lehnsessel vor mit einem amüsierten Ausdruck. „Und Sie wollen die kleine Mary wieder eingeladen sehn bei mir? Sie brauchen gar nichts zu sagen, ich weiß schon.“

Henry Mengersen küßte ihre Hand.

„Du bist schon ganz in der philiströsen Maske eines keuschen, würdigen, deutschen Bräutigams, mit seinem gut bürgerlich schlechten Gewissen. — Du bist mir nun langweilig!