Isolde ist schöner geworden, vornehm, streng im Stil. Sie neigt zu der Art Erscheinungen, wie Mrs. Wendland in ihrer ersten Jugend einst gewesen sein mochte, schlank, bleich, das mächtige, lockige Haar wie eine dunkle Wolke über der Stirn, tiefe Augen, über denen es wie ein Schleier liegt.
Ihre Art sich zu kleiden, ist völlig ungesucht; doch was diesen Körper berührt, wird vornehm.
Isolde ist heute in Feierstimmung. Sie denkt heut nicht mehr daran, etwas zu thun. Sie hört jetzt auf die Schwalben, die hoch oben am blauen Firmament mit ihren seidenen Tönen wie mit Fäden weben und wirken.
Da steht ihre Schwester Marie geistig ihr vor Augen.
Was für ein kleines Gesicht hat der arme Sammtaffe bekommen.
Das Sammtige, Volle ist von ihr geschwunden.
Isolde sieht sie vor sich, wie sie oben in Mengersens Sommervilla, die er sich in der Nachbarschaft von Gebers gebaut, in dem schönen Waldgarten mit einander spazieren gingen, hoch über dem Ufer der Isar.
Marie war damals Mutter ihres ersten Kindes, dessen Geburt ihr fast das Leben gekostet hatte. Seelisch und körperlich konnte sie sich davon lange nicht erholen. Ihr Kind gedieh, aber sie selbst hatte etwas wie vom Frost Getroffenes, etwas Mattes, Stilles, Banges.
Das Kind mochte ein halbes Jahr alt sein, als sie damals mit einander unter den dichtbelaubten Bäumen gingen. Da hatte sich Marie mit einemmal an Isolde geklammert und ihr etwas zugeflüstert, ein Geständnis — ein so banges, schweres, daß sie wieder der Qual und dem Tod entgegenginge, und Isolde war von den fassungslosen, verzweifelten Thränen der Schwester naß am Hals geworden.
Die beiden jungen Geschöpfe hingen an einander und wagten sich nicht in die Augen zu sehen.