Schade, daß du wegen der armen Mama nicht zu mir kommen durftest. Welcher Trost wäre mir das gewesen!
Seitdem die Wartfrau fort ist, werde ich wieder als „Nützlichkeitstier“ von allen behandelt. Wenn ich mich auch kaum bewegen kann vor Schwäche, muß ich doch mindestens ein Kind warten und häufig noch eins dazu beaufsichtigen.
Dann kommt der Gatte und schimpft, daß immer Kinder bei mir sind und klagt den Himmel an, daß er Familienvater ist, dann versuche ich einige seiner Schmerzen zu lindern, bis die meinen zu stark werden. So vergehn im Wechsel meiner Pein die Tage. Ich halte mich an meinen alten Trost: die Zeit steht nicht still. Also muß ein Wechsel kommen.
Henry hat recht, — so komisch es klingt — eine Frau, die ein Kind erwartet, sollte nicht im Hause bleiben. Er ist so sehr empfindlich darin. Es beleidigt seinen Schönheitssinn, mich in diesem Zustand zu sehn. Es ist ihm unerträglich. Ich weiß das. Zuerst erschien es mir ein grausamer Wahnsinn, wie er es sagte; — mir war, als thäte sich ein Abgrund vor mir auf.
Er sprach es so ganz naiv aus, als Künstler, weißt du.
Aber wie alles nun einmal ist, hat er von seinem Standpunkt ganz recht.
Wundert mich, daß es nicht ein solches Gesetz giebt. Für die Frau wäre es im Grunde auch besser.
Meine Ide, schreib mir doch recht bald einen lieben, langen Brief.
Mich verlangt stürmisch danach, denn ganz inwendig sitzt bei mir etwas Heißes — Feuchtes. Das sollst du fortwischen, du hast den Zauber der Liebe, du kannst es.
Vergiß mich ja nicht, Ide! Von dir kommt mein Leben. Was meine Seele auf Erden hat, hat sie von dir! Einzig von dir. Mit dir wachs’ ich und denk’ ich. Du hältst mich. Laß mich nicht ganz fallen.“