Isolden erschien es immer, als würde der Haushalt da oben in Ludwigshöhe von einem großen Kinde geführt.
Nachdem sie so weltentrückt bei einander gesessen und eine Stunde erlebt hatten, wie sie schöner und reiner auf Erden nicht zu denken ist — Isoldes Buddha hatte auf sie niedergeblickt und wie ein Licht im Zimmer geleuchtet — da war Frau Lu mit einer Schüssel voll Schlagsahne aufgetaucht und einer Kanne holländischen Kakao. Schlagsahne und Kakao gab es da oben immer in der größten Seligkeit und auch wenn sie Kummer hatten. Es war eine ganz naive Art zu leben, die von Frau Lu ausging. Ihren Mann behandelte sie auch so naiv mütterlich; jedenfalls für sie die bequemste Form, ihre strahlende Wärme auf ihn zu richten.
Er wendete sich auch in allem an sie wie an eine Mutter.
Von ihrer Arbeit stand sie auf, kam ganz unvermittelt herein zu ihm und fragte: „Bist du auch wirklich gut zu mir? Hast du mich lieb? Wird alles gut?“
„Es ist alles gut,“ sagte er dann.
„Verzeih,“ sie durfte nicht fragen. „Ist dir auch ein bisserl wohl? Und das wollte ich noch fragen: Nach dem Bad fühlst du dich doch etwa wie nach einem Spaziergang? — so wie neu? Was?
Weißt du, du mußt mir das immer sagen, dann bin ich nachher viel froher.“
Sie lebte immer in der großen Sehnsucht nach Sonne, nach Sorglosigkeit.
Isolde kam so warmen, weichen Herzens von ihren Freunden zurück, so erfüllt von allem Guten.
Dazu heute der milde duftende Maiabend. Schwere bange Wolken am Himmel, Sternaufflimmern und ein Rauschen der neuen Laubmassen.