Das Zimmermädchen, das den Theetisch zu besorgen hatte, kam aus der Thür.
„Der Lachsschinken für den jungen Herrn ist net vom Dallmeier geholt,“ sagte sie.
Da that sich die Thür auf und Karl erschien auf der Schwelle. Er hatte Isolde gehört. „Möchte wissen,“ rief er, „wie oft ichs noch wiederholen muß, daß ich keinen andern Schinken mag. Ich dächte Isolde, du thätest dir auch kein Bein ausreißen, wenn du den Dienstboten ein bissel besser auf die Finger passen thät’st!“
Isolde starrte den kauenden Bruder wie eine unbegreifliche Erscheinung an. Er wollte eben die Thüre wieder schließen. „Übrigens wo warst du gestern Abend?“ fragte er barsch.
Isolde wendete ihm den Rücken. Karl schloß die Thüre heftig. Als Isolde endlich von allem, was diesen Morgen sie bedrängt und aufgehalten hatte, frei gekommen und bereit war, dahin zu gehen wohin es sie wie mit Händen zog, hörte sie ihren Bruder behaglich mit dem Vater lachen und plaudern.
Die Stunde nach dem Morgenthee verbrachten Vater und Sohn gewöhnlich im Frühstückszimmer, Zeitung lesend und rauchend. Isolden grauste es vor der vollen männlichen, sorglosen Stimme ihres Bruders, in der so viel Wohlbefinden lag.
Die behagliche Stimme verfolgte sie noch auf der Straße und trieb sie wie mit einer Peitsche an.
*
Und jetzt stand sie wieder vor dem stattlichen roten Haus und drückte wieder bang in schwerer Erregung auf die Klingel.
Sie that ihre Frage und bekam etwas zur Antwort, etwas, das ihr das Blut wie einen Strahl zum Herzen trieb, und die Augen verdunkelte.