Da fuhr ein furchtbarer Schnitt über Brust und Leib des toten Weibes. Das stille reine Gesicht mit den schweren, starren Augenlidern lag teilnahmlos, voll rührender Hoheit über all dem Entsetzen, dem blutigen Gräßlichen, was da geschah.
Da traf Isoldens Ohr ein Lachen, ein so widerlicher Witz. Der krallte sich in ihre Seele ein und haftet da, ein Witz, so voller Weib-Verachtung.
Das jammervoll zerrissene, zermarterte Geschöpf hatte dazu herausgefordert. Der zu Tode gepeinigte Körper predigte vom Leiden des Weibes, von seinem Opfer.
Die Weißbeschürzten fühlten sich im Besitz strotzender Kräfte, strammer Jugend. Da lag der ganze Jammer des Weibes vor ihnen, war ihnen preisgegeben; und das stille Gesicht in seiner Hoheit, das die Welt und den Schmerz überwunden, was wollte das? Was sagte das?
‚Du Schmerzenshoheit, du Todeshoheit!‘ dachte Isolde, ‚wie stehst du doch über allem, bist größer als alles!‘
Sie hätte sterben mögen vor Ekel und Entsetzen, wäre dies stille Gesicht nicht gewesen.
Der zerrissene, unverhüllte Körper, der hier vor frechen kalten Blicken lag, war das Weib, dem alles ohne Scheu geboten werden konnte, das Weib, das nie zur Menschenwürde noch gelangt war.
Etwas wie fanatischer Jubel regte sich in Isolde, weil sie zu den Niederen, den Erniedrigten gehörte.
Die Witze galten ihr! Sie teilte sich darein mit dem zerfetzten Leib dort!
Aber das stille, unberührte Antlitz mit dem furchtbar starren Zug leuchtete wie ein Licht unter den gemeinen, rohen, lebendigen Gesichtern.