Ihres Bruders kauendes Gesicht wurde überstrahlt wie von einer Sonne.
Da war etwas in dem Totenantlitz, etwas Sieghaftes. Und dies Sieghafte fühlte sie in sich selbst.
Sie preßte die Hände an ihre Brust.
Wie ein Schatten, wie in sich selbst verkrochen, stand sie ganz entrückt.
Es war ihr, als hörte sie ihren eignen Namen da an dem Tische mit Entrüstung aussprechen. ‚Es wird mich einer oder der andre wohl kennen‘, dachte sie kühl.
Ja, da ist etwas groß geworden im Weibe, — unüberwindlich, groß durch Schmach. Mitten in dem dummen, albernen, unentwickelten ist eine Kraft gewachsen, die Kraft, die durch Leiden, Verachtung, Verstoßung wächst.
Hellsehend überschaut Isolde das rechtlose, zum Halbtier herabgedrückte, geistberaubte, schmerzbeladne Weibtum dieser Welt.
Das lallende, unbewußte, demütige, dumme, niedere, das alles hinnimmt ohne Gegenwehr wie der blutige Leichnam dort.
Aber das heilige Weibantlitz, das unerschütterliche in diesem Antlitz, das war das Begeisternde — das Lebendige, die große Hoffnung.
Als vier Fäuste den Leichnam achtlos, ohne jede Barmherzigkeit, die der junge, schmerzzermarterte, verlassene Leib als heiliges Recht hätte verlangen dürfen, in eine Kiste warfen, wie etwas völlig Abgethanes und das Kind auf den Körper der Mutter fallen ließen, und der flache Kistendeckel, der zum Sarg der Aller-Allerärmsten gehört und den sie den „Nasentetscher“ nennen, darüber gelegt wurde, da war die Tragödie zu Ende.