Ein verweintes, überwachtes Gesicht wendet sich Isolden zu, dann gehen die beiden Frauen eng aneinanderangeschmiegt in dem von weißem Dämmerlicht übergossenen Garten auf und nieder. — Lu zaghaft; ihren bloßen Füßen thun die harten, kühlen Kiesel weh.
Wie still ists auf der Insel der Seligen mit ihren schlafenden Frühlingsblumen, ihren Buchenbäumen und Büschen, die alle das junge Laub wie einen zarten Schleier tragen! Lu flüstert mit von Weinen erstickter Stimme:
„Isolde, bitte Gott, daß du nie einen Menschen liebst.“
„Nein,“ sagte Isolde, „das werd’ ich auch nicht.“
„Mein ‚Guter‘ sagt: laß deine Liebe wie Schnee sein; selbst kühl, alles wärmend, was sie berührt. Das ist erlöste Liebe. —
Du lieber Gott, da müßte man ganz anders werden. Mich hat heut wieder ein Schrecktraum aus dem Bett getrieben. Die Todesfurcht für ihn. Man lebt doch wie vor einer Hinrichtung.“
„Ja,“ sagt Isolde mit eigentümlicher Betonung.
„Du bist heut so sonderbar,“ sagt Frau Lu.
„Nein — du. Weshalb giebst du dich dem Schicksal nicht hin? Weshalb sträubst du dich wie ein Tier? Das ist unvornehm von dir — nein — im Ernst, das ist deiner nicht würdig.
Du lebst neben diesem großen, guten Menschen und jammerst immer.