Vorsichtig wie ein Jäger, schlich er näher. Er wollte, mußte sie sehen, wie sie saß, stand oder was sie that während dieses tollen, lärmenden Gesanges.

— Und da sah er sie vor sich in ihrem grauen Lodenkleid; die Arme über den Kopf gefaltet, stand sie an einen Buchenstamm gelehnt und wie hypnotisiert von ihren eigenen Tönen.

In nächster Nähe gellten sie ihm schrill in die Ohren.

Ja, das war etwas Urweltliches; und so etwas lief in modernen Kleidern umher, ließ sich höhere Tochter nennen, benahm sich ganz ehrbar, wie andere auch. — Wie sie dastand! — Die verkörperte Liebes- und Lebenssehnsucht. So, in dieser Gefühlssituation hatte er das Weib noch nie gesehn. Das war ihm neu.

*

Er war selbst überrascht, als er ihren Namen rief, wie ihm der Name „Isolde“ laut über die Lippen kam.

Da zerriß der Gesang wie mit einem Sprung. Als hätte eine Kugel sie getroffen, zuckte sie zusammen.

Er sah in ein ganz erbleichtes, starres Angesicht. Kein Wort kam von ihren Lippen, kein Lächeln. — Sie schaute fassungslos.

Und er?

Als wäre er mit einem leichtsinnigen Sprung mitten in einen Wasserstrudel hineingesprungen.