Die beiden Bauernsöhne lachten im Halse und gingen ab; Harm, Thedel und Johanna stiegen über einen Zaun, drückten sich unter den Fenstern des Kruges her, und dann sagte der Bauer: »So, Thedel, dennso mach dein dümmstes Gesicht!«

Hinter einem Stapel Brennholz blieb Wulf stehen, und das Mädchen stand hinter ihm; er fühlte ihren Atem über seiner Halsbinde. Aus dem Kruge kam ein rohes Lachen, dann quietschte ein Frauenzimmer. Harm fühlte, wie das Mädchen hinter ihm am ganzen Leibe flog. Er drehte den Kopf nach ihr. »Hast du Bange!« flüsterte er. »Bange nicht, aber was anderes!« sagte sie, und er nickte ihr zu.

In demselben Augenblicke goß die Wirtin einen Eimer Wasser aus der großen Türe. »Komm!« flüsterte Wulf, pfiff erst das [Brummelbeerlied] und ging dann laut lachend in das Haus, wo ein Kerl am Feuer saß und die jüngste Tochter, ein Kind von zwölf Jahren, in den Klauen hatte, indes ein anderer die Magd hin und her zog. Die beiden anderen, die schon gehörig einen sitzen hatten, standen da und tranken.

»Na, das geht hier ja mächtig lustig zu!« rief der Ödringer laut; »'n Abend zusammen!« Und indem schlug er den Kerl, der vor dem Feuer saß, mit dem kurzen Bleiknüppel, den er aus dem linken Ärmel holte, über den Kopf, daß der Mensch tot auf die [Brandruten] fiel, und kaum, daß er dalag, klappte der um, der die Magd im Arme hielt, denn Warnekenswibert hatte ihn gut bedient. Die beiden anderen Reiter machten dumme Gesichter; aber ehe sie recht begriffen hatten, was los war, lagen sie über kreuz da, denn Wulf hatte den einen besorgt und Hilmersheine den anderen.

»So, nun sind wir unter uns, jetzt gebe ich einen aus,« lachte der Wulfsbauer, als das Flett sauber war, und dann fragte er das Mädchen leise: »Du hast nun wohl Angst vor uns gekriegt?« Sie sah ihn mit blanken Augen an und schüttelte den Kopf. »Na, denn wollen wir vespern, und darauf werden wir das Schlafen nötig haben, vorzüglich du, wo du dazu in der letzten Zeit nicht gekommen bist. Hast auch Platz für uns drei, Kordeskord?« Der Wirt nickte. »Masse, daß heißt, Thedel kann bei unserm Knecht schlafen, und ihr beide nehmt die Gästebutze.«

Als Harm mit dem Mädchen allein war, sagte er: »So, nun leg dich man hin, Hans; ausziehen brauchst du dich nicht viel, denn wir müssen früh los. Du kannst ruhig schlafen, ein ganzes Dorf wacht über uns. Wer wir sind, wirst du ja nun gewahr geworden sein. An unseren Händen ist kein Blut, höchstens an unseren Bleistöcken, aber das ist auch nicht viel mehr wert. Einen Schelm muß man wie einen Schelm begrüßen, und die Wespen kriegt man am besten durch kochliches Wasser aus dem Grasgarten.«

Johanna hatte sich kaum lang gemacht, da schlief sie schon. Der Wulfsbauer konnte anfangs gar nicht schlafen, denn er mochte sich nicht rühren, um das Mädchen nicht aufzuwecken. Allerlei Gedanken gingen ihm durch den Kopf, aber zuletzt fielen ihm die Augen doch zu und er schlief, bis die Wirtin hereinkam und sagte: »Es ist bei fünfe und [die Morgenzeit] ist fertig.« Damit ging sie fort und ließ den [Krüsel] auf dem Schemel stehen.

Harm stand leise auf und leuchtete hinter der Hand in die [Butze] hinein: »Schade!« dachte er, »sie schläft just so schön!« Aber da seufzte das Mädchen tief auf, hob die Hände in die Höhe, machte die Augen auf, und als sie den Bauern vor sich sah, flüsterte sie: »Ach so, du bist es!« Und dabei lachte sie ihn an. »Ja, nun mußt du aufstehen,« sagte er. »Bleibe noch einen Augenblick liegen, ich hole dir erst eine Schüssel Suppe und Waschwasser, und unterdessen besorge ich dir ein Pferd, denn wir wollen flott reiten.«

Als es eben hellichter Tag war, waren sie bei einem einstelligen Hofe. »Hier bleiben wir bis Mittag,« sagte Harm. »Sag mal, Hausfreund, du reitest ja wie ein [Koppelknecht].« Johanna lachte: »Pastorenkinder lernen alles, außer Frommsein,« sagte sie, »und schießen kann ich auch nicht schlecht. Aber ich verstehe mich auch auf das Kochen und Strümpfestricken.« Wulf lachte: »Das muß ich sagen, denn kannst du mehr, als wie ich,« und da lachte sie noch einmal, und er dachte bei sich: »Wenn sie noch öfter so lacht, denn wird die Geschichte sengerich für mich.«

Wodshorn hieß der Hof; der Bauer sprach kaum ein Wort und die Bäuerin auch nicht viel mehr. Sie ließen es aber an nichts fehlen. Um Uhre neune kam ein Bauernsohn an und teilte Wulf etwas unter vier Augen mit, und da sagte Harm zu Johanna: »Nun müssen wir doch bis morgen bleiben. Das beste ist, du legst dich wieder schlafen; ich will das auch tun. Wer schlau ist, der ißt und schläft heutzutage im voraus. Du kannst mit der Bäuerin ganz offen reden; sie weiß Bescheid. Sie hat ein Herz wie Gold, aber sie hat Schreckliches durchgemacht; deshalb spricht sie nicht und darum hat sie auch das Lachen verlernt.«