Wir sind Unser 3 Mal Elve
und nennen uns die Wölwe
und geben auf jedweden Acht
der Lange finger macht.
Die Schnitter
Wulf und seine Begleitung blieben bis zur [Ulenflucht] auf dem Viekenhofe in Fuhrberg und kamen erst im Dunkeln nach Peerhobstel. Alles machte lange Augen, als es hieß: der Wulfsbauer hat sich eine Magd mitgebracht. Aber weil sie sich nicht sehen ließ und alles, was eben helfen konnte, alle Hände voll zu tun hatte, so kümmerte sich keiner weiter um sie.
Mit der Zeit wurde Johanna mit den Frauensleuten bekannt. Erst mußten sie heimlich über sie lachen, weil sie das rote Haar hatte, hochdeutsch sprach und Hände wie eine Edelfrau hatte. Als aber Wittenmutter zu liegen kam und die Magd vom Wulfshofe ihr in ihrer schweren Stunde auf das beste beistand und auch hinterher jeden Tag dafür sorgte, daß die Zwillinge zu ihrem Rechte kamen, sah man, was man an ihr hatte, zumal sie sonst wie eine Magd arbeitete.
Die Kinder, die erst mit dem Finger im Munde dagestanden hatten, wenn sie ihnen mit der Hand über die Köpfe ging, gewöhnten sich bald an sie, und mit der Zeit hatte sie sie alle miteinander jeden Sonntagnachmittag um sich; dann erzählte sie ihnen allerhand Geschichten und brachte den Mädchen Stricken, Nähen und Stopfen bei.
»Das hat uns hier gefehlt, Harm,« sagte Ulenvater, der das Mädchen ganz an das Herz genommen hatte; »nun haben wir einen Schulmeister, wie es besser keinen gibt, wenn er auch lange Haare hat. Mit Geschichtenerzählen hat es angefangen und jetzt bringt sie ihnen auch das Lesen und Schreiben bei. Weißt du was? Krackenmutter ihr Mieken, das wäre eine Lüttjemagd für uns; denn hat die andere mehr Zeit für die Kinder und die Kranken, denn darauf versteht sie sich wie ein gelernter Doktor.«
Der Wulfsbauer war das sehr zufrieden. Als er ihr Grieptoo hielt, der sich einen Schlehdorn eingetreten hatte, woraus ein Geschwür geworden war, und sie es aufschnitt und dem Hunde die Pfote verbunden hatte, fragte er sie: »Sag' mal, was kannst du eigentlich nicht? Reiten kannst du, schießen kannst du, der Hausarbeit bist du gewachsen, auf das Vieh verstehst du dich auch, kannst mit kranken Leuten umgehen, bist dabei auch Schulmeister und Wehmutter und gärtnerst, daß es eine Freude ist; wo hast du das alles her, Mädchen?«
Sie steckte sich rot an und sagte: »Reiten mußte ich zu Hause lernen, weil ich Vater bei seinen Krankenbesuchen begleitete, und das Schießen hat mir der alte Amtmann, Gott hab ihn selig! beigebracht, denn der sagte: ein Frauenzimmer hat das noch nötiger als ein Mannsmensch, dieweil es mehr zu verlieren hat als bloß das nackigte Leben. Und das andere, das kommt wohl, weil Vater Doktor werden wollte, aber aus sich heraus später einen anderen Ruf bekam, und weil der Lehrer, den wir hatten, besser Hosen flicken konnte, als die Kinder lehren, und da nahm sich Vater ihrer an und ich mußte ihm dabei an die Hand gehen. Und von meiner Mutter habe ich dann das andere gelernt, besonders das Umgehen mit dem Vieh und mit den Blumen, denn darauf verstand sie sich vorzüglich.«
Das mußte wohl so gewesen sein, denn sonst hätte es um den neuen Hof nicht so [glatt] ausgesehen. Thedel hatte einen schönen Zaun um den Garten gemacht, und da es sich gerade so paßte, kam die Pforte zwischen zwei großmächtige [Hülsenbüsche] zu stehen, die von Johanna so zurechtgeschnitten wurden, daß sie ganz gleich aussahen, unten breit und oben spitz, und vor die kleine Tür setzte Thedel zwei spitze [Machangeln]. Von allen Blumen und Büschen, die in den wüsten Gärten von Ödringen wuchsen, schleppte der Knecht so viel heran als nötig war, und wenn er mit dem Bauern über Land mußte, sah er nach, wo schöne Blumen in den Gärten waren oder in Töpfen gezogen wurden, und davon ließ er sich Ableger geben, so daß er bald allgemein nicht mehr anders hieß als der Blumenthedel.
Es war aber auch eine Pracht, wie in dem Garten alles gedieh; zwar für die Schneeglöckchen, die Maiblumen und Osterblumen und die Kaiserkronen und Pfingstrosen und Tulpen war es in dem Jahre schon zu spät, aber die Schlüsselblumen hatten schön geblüht und im Juni hingen alle Zaunecken voll von wilden Rosen. Am ganzen Hause kletterten die Efeuranken hoch, der [Hollerbusch] beim Backhause war über und über weiß und die Goldlackbüsche waren in der Sonne anzusehen wie kupferne Kannen. Wenn dann Johanna an den Büschen sich mit dem Messer zu schaffen machte und die Sonne schien ihr auf das Haar und die bloßen Arme, von denen die weißen Ärmel weit zurückgingen, und der rote Rock wippte, wenn sie sich bückte, um ein Unkraut auszureißen, dann sagte der alte Ul: »Ein Staatsfrauensmensch ist es,« und stieß Harm in die Rippen und blinkte ihm zu: »wenn ich halb so alt wäre, dennso wüßte ich, was ich zu tun hätte. Oder soll sie dir ein anderer wegschnappen? Denn daß sie dir in die Augen sticht, das habe ich all lange spitz, und eine bessere Frau kriegst du so bald nicht wieder.«