Der Bauer lachte: »Viel anders seht ihr auch nicht aus. Aber da wir doch gerade vespern wollen, und mehr bei uns haben, als wir brauchen, und ihr nicht so aussehet, als hättet ihr heute schon satt gekriegt, so könnt ihr mittun, wenn ihr dazu Lusten habt.«
Der junge Geistliche sah gegen den Himmel: »Herr,« rief er, »deine Güte währet ewiglich!« Er gab dem Bauern die Hand. »Es war gestern morgen in dem Dorfe Fuhrbergen, als ich das letzte Stück Brotes aß. Seitdem ist die Rinde der Birkenbäume meine Nahrung gewesen, doch bin ich dieser Speise nicht gewöhnt und wollte fast verzagen, wenn ich mich nicht mit dem Spruche getröstet hätte: der, der die jungen Raben speist, wird auch meiner nicht vergessen.«
Er aß wie ein Drescher und hinterher sah er gleich ganz anders aus, und die Hose hing ihm nicht mehr so bummelig vor dem Leibe. Dankbar sah er den Bauern an und fragte dann: »In Fuhrberg habe ich die Bekanntschaft eines Bauern gemacht, der Ludolf Vieken heißt und zu Rammlingen gebürtig ist. Zu diesem Manne faßte ich ein Zutrauen, obzwar er mir nicht auf dem Wege des Herrn zu wandeln schien, dieweil er Flüche und unnütze Schwüre aus seinem Munde herausgehen ließ. Aber der Herr wird ihn schon erleuchten, denn er hat mich aus den Händen der Heiden errettet, so man Tatern nennt, und unaufgefordert sein Brot mit mir geteilt, und sein Bier, als er hörte, daß ich nüchtern war wie ein Kindlein, das zum ersten Male die Wand beschreit.«
Er sah den Bauern mit seinen großen hellen Augen an: »Kennt er hier in der Gegend einen Mann namens Harm Wulf? An den hat mich der Rammlinger gewiesen, denn er sagte mir, derselbe könnte in seinem Dorf, dessen Name mir entfiel, vielleicht einen Prediger gebrauchen. Und die Ehefrau dieses Mannes soll, wie mir gesagt wurde, eines ausgetriebenen Predigers Tochter sein?«
Der Bauer lächelte: »Hat Viekenludolf euch kein Zeichen mitgegeben?« Der andere nickte: »Das wohl, doch scheint es mir dürftig zu sein und fast hätte ich es von mir getan. Seht her!« Er zog einen Lappen aus der Tasche und wickelte eine Rabenfeder aus, die zweimal geknickt und deren Enden auf geheime Art ineinandergedreht waren.
»Dennso ist das recht,« sagte der Bauer; »ich bin der Burvogt Harm Wulf aus Peerhobstel, und es kann sein, daß ihr bei uns eine Stätte finden könnt, denn wir Männer können uns in diesen Zeiten kaum noch nach der Kirche trauen und die Frauensleute schon gar nicht. Ich sehe es euch an, daß ihr ein rechtlicher Mann seid. Es ist eine böse Zeit; landfremden Leuten trauen wir gemeiniglich nicht über den Weg, und deshalb müßt ihr mir in die Hand versprechen an Eides Statt: nichts zu verraten, was ihr hört und seht, ob ihr nun bei uns bleibet oder nicht.«
Puttfarken sah ihn ernst an: »Ich habe eine Probe davon [belebt], welcher Art er zu sein scheint; die drei Tatern, die mich auf der Straße hinwarfen, um mich auszurauben, hängen an drei Birkenbäumen. Hätten die Toren gewußt, daß ich nur das mein eigen nenne, was ich auf dem Leibe trage, und das wohl kaum ein Jude anders als geschenkt nimmt, sie lebten vielleicht noch. Ich habe viel Greuel gesehen auf meinen Wegen, und ich glaube, wer dem Übel wehrt, der handelt nicht wider des Herrn Gebot. Und so will ich denn geloben, was er von mir fordert.«
Der Bauer wartete, bis es [schummerte], und derweilen fragte er aus dem Prediger heraus, was er heraushaben wollte. Der Mann gefiel ihm und Thedel auch, und Grieptoo nicht minder, und somit durfte er vor Niehus aufsitzen und bis vor die [Wohld] reiten.
»Mädchen,« sagte Thedel nachher zu seiner Hille, die schon wieder so aussah, als ob es bald noch einen kleinen Niehus geben sollte, »da haben wir dir einen Kerl auf der Haide aufgegabelt, eine ganz putzige Kruke! Sitzt da im Sand und singt nach der Schwierigkeit ein geistliches Lied, hat nicht Messer noch Schießgewehr bei sich und macht ein Gesicht, als wenn es lauter Engel auf der Welt gibt, und dabei haben ihn gestern erst die Tatern unter sich gehabt. Es ist meist so, als ob er zu dumm ist, als daß er Bange hat; nicht einmal hat er [sich verjagt], als wir von den Wachen angerufen wurden.«
Thedel hatte recht; Furcht hatte Ehren Puttfarken nicht, zum mindesten keine Menschenfurcht. Das mußte Viekenludolf spüren, als er nach vier Wochen auf den neuen Hof geritten kam und auf der [Deele] Mieken zu fassen kriegte: »Deubel auch, Deern!« rief er und drückte sie, daß ihr die Rippen knasterten; »du machst dich ja mächtig heraus.«