Aber was machte er für runde Augen, als der Prediger aus der [Dönze] trat und ihm sagte: »Der Herr segne seinen Eingang, Viekenbur! Aber sage er mal: ist es notwendig, den Teufel zum Zeugen anzurufen, weil Gott diese Jungfrau blühen und gedeihen läßt? Und schickt es sich in einem ehrbaren Bauernhause, und paßt es sich für einen rechtlichen Bauern, einer ordentlichen [Witfrau] Tochter zu behandeln wie ein liederliches Weibsstück?«

Viekenludolf machte so verbiesterte Augen wie ein Hund, den eine [Adder] anprustet; aber dann lachte er: »Ist das der Dank, daß ich euch vor den Tatern bewahrt habe?«

Der Prediger nickte: »Jawohl, das ist der Dank. Er hat mich vor Tatern und Heiden bewahrt und ich will seine Seele vor dem Höllenfeuer bewahren. Und nun trete er ein und nehme Platz, bis die Bäuerin kommt; die Magd soll sie rufen.«

Von dem Tage an hatte er zwei dicke Freunde; der eine war Schewenkasper, denn der sagte nachher zu Thedel: »Er hat es dem Viekenbur aber gehörig gegeben, sage ich dir. Ist das aber auch eine Art, sich aufzuführen, wie der es tut? Kein eines Mädchen kann sich ja vor ihm bergen!« Der andere aber war Viekenludolf selber, denn als er nachher wieder ein Donnerwetter aus dem Munde ließ, wusch ihm der Prediger den Kopf noch einmal, und das gefiel dem Dausenddeubel, denn es war ihm etwas Neues. »Du,« sagte er zu dem Wulfsbauern, »den behaltet man; der ist gut!«

So dachten die Peerhobstler auch, denn nachdem Puttfarken von der Bäuerin ordentlich herausgefüttert war, sah er wie ein rechtschaffener Prediger aus, und obzwar er noch reichlich jung war, so war er doch ein guter Prediger und trotz seiner Redensarten ein Mann, der in die Welt paßte.

Er scheute sich vor keiner Arbeit, soweit sie sich für ihn schickte, und mehr als einmal sagte der Wulfsbauer zu ihm: »Wie ein Knecht braucht ihr nun gerade nicht zu arbeiten.« Aber dann bekam er jedesmal zu hören: »Glaubt er, Wulfsbauer, daß mir das bei den Leuten nicht nützt, wenn ich grabe und rode wie sie selber? Und außerdem; es macht mir Freude; bin ich doch auch eines Bauern Sohn.«

Er saß so gut zu Pferde wie die Peerhobstler selber, und mit der Zeit lernte er auch mit dem Schießgewehr umzugehen wie ein gelernter Jäger, und manchen Braten brachte er aus dem Busche mit. Auch Aalkörbe konnte er machen, Netze stricken und Setzangeln stellen, denn sein väterlicher Hof, den die Mansfelder samt allem, was darauf war, niedergebrannt hatten, hatte da unten an der Weser gelegen.

Der Wulfsbauer fand, das er kein schlechtes Geschäft gemacht hatte, als er diesen Mann auf der Haide aufsammelte, allein schon, weil die Bäuerin immer einen von ihrer Art bei der Hand hatte, wenn Wulf über Land mußte, was immer öfter der Fall war; denn das mit dem Frieden, das war wie der Rauhfrost auf der Haide gewesen und lange vergessen, und es wurde schlimmer denn je. Die Schweden waren gekommen, und der Herzog, dem es längst nicht mehr gepaßt hatte, die Geschäfte der Papisten zu besorgen, war zu ihnen übergegangen, und nun sengten und brannten die Pappenheimer in seinem Lande.

Öfter als sonst kam der Bauer mit krauser Stirn nach Hause, und dann war es ihm ein Trost, wenn der Prediger ihm mit mutigen Worten und einem geistlichen Liede über die Sorgen weghalf, denn Puttfarken hatte Abendandachten auf dem Hofe zugange gebracht, zu denen ein jeder kommen durfte, der dazu Lusten hatte. Besonders den alten Leuten, die seit Jahren keine Kirche mehr gesehen hatten, war es ein großer Trost, konnten sie einmal wieder gemeinsam Gott mit Gebet und Gesang ehren.

Es war von jeher ordentlich und sinnig auf dem neuen Hofe zugegangen, aber seitdem der Prediger da war, waren die Abende noch gemütlicher als sonst, denn der junge Mann hatte allerlei Kenntnisse und konnte erzählen wie ein Buch von dem, wie es in der Welt zugegangen war von Adam an bis auf die letzten Zeiten; da nun der Bauer in den ganzen Jahren jedes Buch, das ihm bei den Wehrfahrten in die Hände gefallen war, mitgebracht hatte, weil er wußte, daß seine Frau daran ihre Freude hatte, so las der Prediger ihnen an den langen Winterabenden daraus das beste vor und wußte alles so zu erklären, daß selbst Schewenkasper in dem einen Winter mehr lernte, als in seinem ganzen Leben.