Der Prediger gab ihr die Hand: »Eine solche Antwort, die paßt sich für eine christliche Jungfrau. Verlasse sie sich ganz auf mich! Mein lieber Freund soll nichts von ihr denken, was ihr nicht angenehm ist. Und nun will ich gern, wie es ihr Vater wünscht, eine kurze Abendandacht halten, denn bei kleinem wird es Zeit, daß wir uns zum Aufbruch rüsten.«

Während der Andacht sah er neben der Haustochter ein Mädchen knieen, die ein Gesicht hatte, das ihn an seine selige Mutter erinnerte. Sie sah aus, als hätte sie viel Böses ausgestanden; aber als sie einmal nach ihm hinsah, merkte er, daß ihr Herz rein und gut geblieben war. Er sah hinterher, daß es die Magd war; er wußte nicht, warum er nach ihr hinsehen mußte, als sie die Stühle beiseite stellte, und er hätte gern gewußt, was es mit ihr für ein Bewenden habe, aber er fragte darum doch nicht danach.

Es [schummerte] schon, als er mit den anderen durch die Haide ritt. In den Gründen stieg der Nebel auf, die Frösche knurrten in den Pümpen, von der [Wohld] heulten die Wölfe den Mond an und im Moore waren die Kraniche am Prahlen. In der Richtung nach Mellendorf zu war der Himmel rot; da brannte ein Hof oder ein Dorf. »Errette sie, Herr,« betete der Prediger in sich hinein, »vor den bösen Menschen; behüte sie vor den frevelhaften Leuten!«

Sie waren meist am Brehloh, da polterten lauthals schreiend ein paar Krähen aus den Tannen. »Prrr!« rief Mertensgerd und riß sein Pferd zurück, und die anderen taten das auch und nahmen die Pistolen zur Hand. In demselben Augenblicke kam ein roter Schein aus dem Busche und eine Kugel flog über den Prediger hin, aber sogleich schoß der auch und hörte einen Mann aufschreien, und da sah er, daß ein anderer auf den Küster anlegte; er ritt ihn über den Haufen, und als er kehrt machte, hörte er einen Schuß und der Kerl, der sich gerade wieder aufrappeln wollte, fiel um; Mertensgerd hatte ihn geschossen.

Als sie in der blanken Haide waren, hielt der Prediger an: »Lasset uns dem Herrn danken für seine Güte,« sagte er, indem er die Kappe abnahm; »lasset uns beten: Herr, Herr, meine starke Hilfe, du beschirmst mein Haupt zur Zeit des Streites.« Als er sich wieder bedeckt hatte, sagte er: »Es steht geschrieben: Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll wieder vergossen werden. Auf uns trifft das nicht zu; wer seinem Bruder aus dem Hinterhalte nach dem Leben trachtet der ist, wie der Wolf; sein Blut beflecket den nicht der ihn erschlägt. Unsere Hände sind rein vor dem Herrn.«

Am anderen Tage suchten Thedel, Renneckenklaus und Mertensgerd das Brehloh ab. Die Wölfe hatten saubere Arbeit gemacht; eine Handvoll Taler hatten sie aber liegen lassen, und ein paar gute Pistolen. »Das muß ich sagen,« meinte Thedel zu dem Wulfsbauern, »das ist ein Prediger, wie er zu uns paßt. Ich dachte: der kann bloß mit der Schrift schießen; aber was denkt man nicht alles von einem Menschen, ehe man nicht drei Scheffel Salz mit ihm gegessen hat. Ich sage man bloß: unser Prediger! So einen soll man erst wieder suchen. Wer hätte das gedacht, als er den Tag hinter dem [Machangel]busch saß und lauthals singen tat!«

Seit diesem Tage stand Puttfarken noch anders da als zuvor, und als er sich von selber anbot, auf Wache zu ziehen, und das so oft tat, wie die Reihe an ihm war, da brauchte er nicht erst darum zu bitten, und es wurde ihm der Kapelle gegenüber ein Haus gebaut, wie es sich schickte und was darein gehörte, kam alles von selber an. »Nun fehlt euch bloß noch eine [glatte] Frau,« meinte der Burvogt; »dann habt ihr alles in der Reihe.« Aber Puttfarken schlug die Augen unter sich und sagte: »Damit hat es noch Zeit, Wulfsbur.« Als er aber abends über seinem Buche saß, mußte er an die Magd vom Dreweshofe denken.

Am anderen Tage, als er den Bauern beim Grabenmachen antraf und mit ihm vesperte, fing er an: »Burvogt, gestern hat er mir gesagt, daß in meinem Hause eine Frau fehlt, und ich sagte, daß es damit noch Zeit habe. Aber jetzt will ich ihm etwas sagen: in seinem Hause, da fehlt eine Frau. Laß er mich erst zu Ende reden! Das sage ich nicht, weil ich denke, er kann jetzt schon seine selige Frau vergessen haben und seine Augen auf eine andere schmeißen, dazu kenne ich ihn viel zu gut; aber es ist einmal der Kinder wegen und dann auch, weil, was er nicht weiß, ein Mädchen da ist, das ihn vom ersten Tage gern hat, an dem es ihn gesehen hat, und das seinen Kindern die beste Zweitmutter sein wird, die man sich denken kann.«

Der Bauer schüttelte erst den Kopf, als der Prediger so sprach, aber als der ihm [verklarte], daß die Bäuerin ihm aufgetragen hatte, dafür zu sorgen, daß Wieschen ihr Versprechen hielt, da meinte er bloß noch: »Die junge [glatte] Deern ist viel zu schade für mich. Seht her!« und dabei nahm er den Hut ab; »halbig grau bin ich schon, denn ich habe doch allerlei [aufhucken] müssen in diesen Jahren, und das beste, was ich zu bieten hatte, zur Hälfte liegt es in Ödringen unter der Asche und zur Hälfte bei der Kirche unter dem Rasen. Das Mädchen verdient einen Mann, der ihr mehr zu bieten hat, als wie ich.«

Für den Tag schwieg der Prediger von der Sache; aber nachdem er einmal wieder in Engensen gewesen war, kam er ab und zu darauf zurück und ließ nicht eher nach, als bis der Bauer sagte: »Wenn das Jahr sich gewendet hat, seitdem meine Johanna fort mußte, und Wieschen noch ebenso denkt, als wie sie zu euch gesagt hat, dennso soll es so werden, wie sie es mit meiner seligen Frau abgemacht hat. Der Kinder wegen wäre es mir schon am liebsten, sie kommt schon morgen, aber das wäre einmal gegen jede Art und außerdem: ehe das Jahr nicht hinter mir ist, fasse ich keine Frau an. Daß ich das beim ersten Male getan habe, hat mich oft genug gedauert, wenn es auch nicht anders ging.«