In der besten Stube des Wulfshofes zu Ödringen hängt heute noch der Bleiknüppel an der Sofawand unter dem kleinen Bilde mit dem alten Goldrahmen. Ein Museum hat sich viel Mühe um den Knüppel gegeben, aber der Vorsteher und Landtagsabgeordnete Herman Wulff gab ihn nicht um Geld, noch um gute Worte her. »Wenn der nicht gewesen wäre, so wären wir auch nicht da,« sagte er. Wenn fremde Leute fragen, was das für ein Ding ist, dann zuckt er die Achseln und sagt: »Das ist noch von früher!« Seinen Söhnen aber hat er erzählt, was er und sie dem alten Knüppel mit der Lederschlinge zu verdanken haben, und warum auf dem ältesten Grabsteine der Wulffs nichts weiter zu sehen ist denn eine aufrechte Wolfsangel.
Ein jedesmal, wenn einer der Jungens zum ersten Male das Abendmahl nahm, ließ er ihn in dem alten Kirchenbuche das lesen, was der weiland Prediger Puttfarken über Harm Wulf geschrieben hatte, als er gestorben war; und so heißt die Stelle: »Ehr war ein Held vor seinem Volke und hat es getrevlich geschützet vor den Philistern und Amalekitern ober zwanzig Jahre, da der große Krieg geweßen ist. Ehr ruhe in dem Frieden GOTTES!«
Die hellen Augen haben sie wiederbekommen, die Wulfsbauern, die engen Lippen aber behielten sie als Erbe von Harm Wulf. So lustig, wie er als Jungkerl war, sind sie alle nicht, aber seinen eisernen Kopf hat er ihnen nachgelassen. Einer von ihnen wurde in den Freiheitskriegen ein hoher Offizier und sollte den Adel bekommen: »Mein Name ist mir so gerade gut,« sagte er.
Über der [Missentür] des Wulfshofes steht heute noch der Spruch im Balken: »Helf dir selber, so helfet dir unser Herre Gott!« Danach haben sich alle Wulfsbauern gerichtet.
Herman Wulff ist ein ernster Mann, der nicht oft lacht und kaum einmal flötet. Aber an dem Tage, als die Bruchbauern ihren Mann bei der Reichstagswahl durchbekamen, lachte Herman Wulff, und als er nach Hause ging, flötete er das [Brummelbeerlied].
Worterklärung
Um eine völlige Einheitlichkeit zwischen dem Stoffe und der Form zu erzielen, ist in diesem Buche sowohl für den erzählenden Teil wie für die Gespräche die heutige Ausdrucksweise der Bauern der Lüneburger Haide gewählt, die sich in der Hauptsache mit der Redeweise des Landvolkes von ganz Nordwestdeutschland deckt. Ost- und süddeutschen Lesern sind vielleicht die folgenden Erklärungen einiger Ausdrücke angenehm.
1. [Die Haidbauern] S. 1
Pump, Teich, Tümpel. – Reet, Rohr. – Plagge, Haidscholle. – grall, frisch, klar. – weifen, schlagen. – Brägen, Gehirn, auch Schädel. – Weking, Wittekind. – rohes Mett, gehacktes Fleisch. – Halsbeeke, Halsbach. – Die große Fähre, Verden an der Aller. – Haidjer, Haidbauer. – koppheister, kopfüber. – Sattelmeier, Bauer, der in Kriegsfällen ein Pferd zu stellen hat. – anmeiern, lehnspflichtig machen. – Kuhle, Grube. – beiroden, eingraben. – Koppelweg, Feldweg. – Sternschnuppe, gallertartige Massen, entweder Gallertflechten oder die Eileiter von Fröschen, die von Iltissen oder Reihern wieder ausgewürgt sind. – Schillebold, Wasserjungfer. – Buttervogel, Schmetterling. – Pest- und Sterbevögel, unregelmäßig erscheinende nordische Vögel, wie Kreuzschnabel, Seidenschwanz, Nußhäher. – Brummelbeere, Brombeere. – Brummelbeerlied, ein bekanntes altes Lied, das folgendermaßen beginnt: Es wollt ein Mädchen früh aufstehn, wohl drei vier Stündelein vor Tag.