Ivan bringt eine ganze Tasche voll Geld heim. Hat der herrliche Frühlingstag die Herzen erweicht, fächelt der laue Wind den Menschen leichtsinnige Großmut zu? Jeder hat ihm heute etwas gegeben, und nicht nur Kopeken, auch Silbermünzen, ja sogar einen ganzen Rubel schüttet er auf Nadjas Bett aus.
»Morgen bekommst Du gut zu essen, Mütterchen!« ruft er freudig und schlingt die Arme um ihren Hals. »Milch und Piroggen, und Stasia soll uns eine gute Kohlsuppe kochen. Bist Du froh, Mütterchen?«
»Ja, mein kleiner Ivan.«
»Und dann wirst Du nicht mehr müde sein, wirst aufstehen und mit mir in die Sonne gehen. Nicht wahr, Mütterchen?«
»Ja, mein Täubchen!«
Ivan klettert aufs Bett. »Mütterchen, heute, wie ich ganz weit draußen war, sah ich Jungen, die liefen einem kleinen Knaben nach und warfen mit Steinen nach ihm und schrien: »grindiger Jud!« Sie wollten, ich solle auch mit Steinen werfen, aber mir tat das Herz weh, weil der kleine Knabe so weinte. Warum verfolgten sie ihn, Mütterchen, was hat er Böses getan?«
Nadja schlingt den Arm um das Kind, ihre Lippen beginnen zu beben, wie in schwarze Nebel gehüllt steigt ein schauriges Bild vor ihr auf: zerschmetterte Schädel ... blutige Leiber ... ein kleines, schwarzäugiges Kind hockt weinend neben einer toten Frau. ...
»Warum weinst Du, Mütterchen?«
»Ivan, versprich mir, daß Du nie mit den bösen Buben gehst und Steine nach einem anderen wirfst. Du darfst auch nie jemand: »grindiger Jud« nachschreien. Versprich mir das, Ivan.«
Unklar durchzuckt ihren müden Kopf der Gedanke: »Nun wird mir die alte Frau verzeihen, daß der kleine Moische zur Muttergottes betet.«