»Ja, Mütterchen.«
»Du darfst auch niemals gegen Schwache böse sein, Ivan. Mußt ihnen immer helfen. Du mußt alle Menschen lieben, Ivan.«
»Auch die bösen Menschen, Mütterchen?«
Da blitzen die großen Augen wild aus dem hageren Gesicht, schrilles Beben kommt in die müde Stimme, fieberglühende Hände pressen sich schmerzhaft um die kleine Kinderhand.
»Nein, Ivan, die mußt Du hassen; die bösen Menschen, die uns zu Tieren machen und dann verachten, die uns verhungern lassen, den kleinen Kindern ihre Eltern erschlagen; die bösen Menschen, die unsere Herren sind, die reich und glücklich leben, die unsere Freunde nach Sibirien schicken. Die mußt Du hassen. Dein ganzes Leben lang, Ivan, mußt gegen sie kämpfen, sie vernichten!«
Die Stimme versagt ihr, kraftlos fällt sie auf die Kissen zurück. Der Knabe hat ihre Worte nicht verstanden, doch begreift er, sie fordere eine Antwort; er nickt ernst: »Ja, Mütterchen.«
»Und jetzt schlafe, mein Seelchen, ich bin müde.«
»Gute Nacht, liebes Mütterchen, morgen wird ein herrlicher Tag sein.«
Es ist noch dunkel in der kleinen Stube, da fühlt Ivan, wie er an den Schultern gepackt und gerüttelt wird. Schlaftrunken öffnet er die Augen: »Ist es schon spät, Mütterchen? Ich stehe schon auf.«