»Komm schnell, Mütterchen ... Sie stirbt ...«

Eine Männerstimme brüllt auf: »Verfluchte Bande! Nicht einmal jetzt hat man Ruh. Laß sie sterben!«

Anastasias erschrockene Stimme klingt heraus: »Gleich, Ivan, gleich!« und fährt zornig fort: »Du Bestie!«

Ivan läuft in die Stube zurück. Nadja liegt röchelnd da, aus ihren Mundwinkeln rinnt Blut. Sie packt das Kind an der Hand: »Ivan ... Angst ... Ich ersticke ... Bete ...« Und da das zu Tode erschrockene Kind stumm verharrt, flüstert sie abermals wimmernd: »Bete!«

In Ivans kleinem Kopf wirbeln die Gedanken durcheinander; beten? Er findet keine Worte ... eine große Leere ist in seinem Gehirn. Sternchen tanzen vor seinen Augen, kalter Schweiß perlt ihm auf der Stirne.

Und wieder tönt das verzweifelte Wimmern vom Bett: »Bete für mich!«

Da endlich löst sich die Starre in seinem Gehirn, Worte kommen, irgendwoher, aus schwarzer Ferne, fremde und doch vertraute Worte. Er fällt vor dem Muttergottesbild auf die Knie, schlägt ein Kreuz und betet:

»Boruch ato adonai ...«


Der Tag, auf den Ivan sich so gefreut, ist gekommen. Aber Mütterchen will keine Milch und keine Piroggen; Mütterchen liegt ganz still und weiß im Sonnenschein, und Anastasia hat ihr die Hände auf die Brust gefaltet und zwei brennende Kerzen neben das Bett gestellt.