»Ja, der Vater kocht vor Wut, Du wirst etwas Schönes erleben.«

»Ja, aber ... Ich habe doch gar nichts getan.«

»Was habt ihr denn diese Woche für einen Aufsatz gehabt? Der Vater hat Deinen sogar der Mutter vorgelesen; das tut er nur, wenn er ganz besonders wütend ist. Das wird heute ein angenehmes Mittagessen werden.«

Bis nach der Suppe herrschte bei Tisch eisige Stille. Dann ging es los.

»Ich wundere mich, daß Du mir noch in die Augen zu sehen wagst, Johannes,« begann der Gymnasialprofessor.

Der Angeredete schwieg. Lene horchte auf.

»Ich habe Deinen Aufsatz korrigiert und frage Dich nun, wie kannst Du es wagen, Verbrecher und Mörder als Helden hinzustellen?«

»Das habe ich nicht getan.«

»Ich gebe euch einen Aufsatz über ›Helden‹, bespreche das Thema mit euch, nenne euch als Anhaltspunkte einige Namen, wie Friedrich der Große, Blücher, Moltke, Wilhelm I., und was machst Du? Du schreibst über Freiheitshelden, erwähnst nicht etwa Arndt und Theodor Körner, was noch angegangen wäre, nein, es beliebt Dir nicht einmal, deutsche Namen zu nennen. Deine Weisheit muß nach Rußland gehen. Und was für Leute preist Du als Helden? Revolutionäre, Aufrührer, gemeine Schurken, die es gewagt haben, sich wider ihren Herrn und Monarchen zu erheben! Und nicht genug, daß Du solche Beispiele aus der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts nimmst, nein, Du treibst es noch ärger – Du wagst es, die niederträchtigen Schufte, die jetzt in Rußland Revolution machen, die das Leben des Zaren, eines Freundes und Verwandten unseres allergnädigsten Kaisers, bedrohen, Helden zu nennen, Freunde der Menschheit.«

»Aber ...«