»Ich verbiete Dir, so über Adolf zu sprechen.«

»Dein Adolf! Warum hat er Dir denn erst einen Antrag gemacht, als Tante Margaretes Testament veröffentlicht wurde? Ja, die große Liebe ...«

»Du bist gemein.«

»Nein, bloß weniger dumm als Du. Sag' mir, Ilse, hast Du denn nie über das Leben nachgedacht?«

»Ich verstehe Dich nicht.«

»Über die große Welt, und was wir ihr schuldig sind?«

»Du kannst nicht behaupten, Lene, daß ich je pflichtvergessen war.«

»Nein, nein. Du warst eine gute Tochter, wirst eine liebende Gattin und Mutter werden, immer nur sehen, was vor Deiner Nase liegt, und allgemein geachtet sterben. Herrgott, wenn ich so leben müßte, lieber würde ich mich gleich aufhängen.«

Die ältere Schwester schüttelte mißbilligend den Kopf. »Was Du für Gedanken hast! Daran ist Johannes mit seinen verrückten Ideen schuld. Wenn Du jetzt zu Hause die einzige Tochter bist, wird sich das geben.«

Lene schnellte auf. »Sprich nicht davon, mir graut vor dem Gedanken, daheim sitzen, Handarbeiten machen, in Kaffeekränzchen gehen! Und den erstbesten Mann heiraten, nur um von hier fortzukommen. Wenn Tante Margarete lebte, ich ginge zu ihr.«