»Eine gute Partie,« meinte eine alte Tante von Frau Selder zum Gymnasialdirektor, »Gerichtsassessor und ein so schneidiger junger Mann.«

»Ja, er muß ein forscher Student gewesen sein, sehen Sie nur die vielen Schmisse.«

»Haben Sie je ein Fliegenauge unter dem Mikroskop betrachtet, gnädiges Fräulein?« fragte Gustav seine Nachbarin. »Ein wahres Kunstwerk.« Das junge Mädchen sah ihn schier erschrocken an. »Nein, Herr Selder.«

»Nun werden bald Sie an die Reihe kommen, Fräulein Helene,« bemerkte der Brautführer, ein eleganter junger Offizier, »Sie müssen aber in die Armee heiraten, schon Ihrem Bruder zuliebe.«

»Ich hasse Offiziere,« entgegnete sie gedankenlos, dann etwas erschrocken über ihre Unliebenswürdigkeit, »ich meine, überhaupt das Militär.«

»Das kann doch nicht Ihr Ernst sein?«

Johannes saß am untersten Ende der Tafel, neben dem jüngsten Bruder des Bräutigams, einem Studenten. Er fühlte sich vereinsamt und traurig. Wie fremd waren ihm doch alle diese Menschen, trotz der vielen unter ihnen verbrachten Jahre. Nur Lenes trotziges, kleines Gesicht mutete ihn vertraut an. »Was werden Sie studieren?« fragte sein Nachbar. »Medizin? Sehen Sie nur zu, daß Sie in eine gute Verbindung kommen, ich werde Ihnen gerne behilflich sein.«

»Danke, ich will in keine Verbindung eintreten.«

»Das müssen Sie doch; das ist doch die Hauptsache im Studentenleben! Wann beenden Sie die Schule?«

»Nächstes Jahr.«