Außerhalb der Stadt dehnten sich wogend unendliche Ährenfelder, ein einziges, unbegrenztes gelbes Meer, aus dem hier und dort rotblutend kleine Mohninseln aufragten oder kornblumenblau ein Stückchen Himmel sich spiegelte. Festlicher Duft entströmte der gebärenden Erde, alles drängte, trieb zur Vollendung, zum höchsten Gedeihen; das Land feierte Sonntag, Sonnentag.

Sogar in die grauen Häuser drang der Sonnenzauber, enge Stuben erschienen plötzlich weit in dem hereinstürzenden, alles überflutenden Licht, Feiertag lag auf wintermüden Gesichtern, in dunkelgewöhnte Augen spielten Sonnenstrahlen.

Gustav Selder packte; Lene und Johannes halfen ihm. Gustavs kurzsichtige Augen tasteten ängstlich suchend das Zimmer ab.

»Wo ist mein blaues Heft, Lene, in dem ich meine Notizen habe? Das muß mit.«

Die Schwester lachte. »Vor Deiner Nase, Du blinder Maulwurf. Eile Dich doch, wir wollen ins Freie.«

»Gleich, gleich, und das Buch mit den Tabellen, ich kann es nicht finden.«

»Mein Gott, Du mit Deinen Büchern!«

Sorgfältig packte Gustav, hüllte Buch um Buch in Zeitungspapier, bettete sie schier zärtlich in den großen Koffer. Endlich war alles fertig. »So,« meinte er vergnügt, »jetzt bekommt Ihr jeder eine Zigarette zur Belohnung, aber geh fort vom Fenster, Lene, daß Dich niemand rauchen sieht.«

Sie setzte sich auf den geschlossenen Koffer. »Bist Du froh, Gustav?«

»Worüber?«