Sie sah fragend zu ihm auf.

»Ein gewesener Arbeiter; jetzt ist er Sekretär des Metallarbeiterverbandes. Der Mann kennt nur eines: die Arbeiterbewegung. Das ist sein Leben, sein Glück, seine Hoffnung.«

Anatol trat an die beiden heran: »Komm, Lene, wir wollen Johannes von der Universität abholen. Der wird erstaunt sein, wenn er Dich sieht.«

Gustav ließ sich von der Schwester unerwartetem Erscheinen keineswegs in Aufregung versetzen. Er blickte von seinen Büchern auf, nickte ihr zerstreut, freundlich zu: »Du, Lene? Das ist nett, daß Du mich besuchst. Setz' Dich, nur einen Augenblick, ich bin gleich fertig.«

Aus dem Augenblick wurde eine halbe Stunde. Endlich schloß Gustav das Buch und wandte sich der Schwester zu. »Ist die Mutter auch hier?«

»Die Mutter? Nein.«

»Haben sie Dich allein nach Berlin gehen lassen? Das wundert mich.«

»Sie wissen doch gar nicht, daß ich hier bin, glauben ich sei auf dem Lande bei Ilses Schwiegereltern.«

Gustav bewahrte seine Ruhe. »So, und was treibt Dich denn eigentlich hierher?«

»Ich konnte es daheim nicht mehr aushalten! Du weißt doch, wie es ist. Und ich habe gedacht ... Gustav, lieber guter Gustav ... Laß mich bei Dir bleiben.«