»Die alte Dame dort drüben, sie paßt so gar nicht hierher, sieht so ruhig aus, so ...« Sie stockte.
»Vornehm, wollten Sie sagen, Sie Tochter der Bourgeoisie. Sie scheinen auch noch zu glauben, daß Revolutionäre unbedingt wie Raubmörder aussehen müssen. Diese alte Dame ist die Liebe Ihres Bruders Johannes; hat er Ihnen nicht von ihr erzählt?«
»Sie heißt Frau von Reuter, damit Sie über alles unterrichtet sind, und ist geborene Engländerin. Sie war an einen inzwischen verstorbenen Ministerialrat verheiratet; guter preußischer Adel, schreiben Sie's Ihrem Herrn Vater zur Beruhigung.« Er lachte boshaft und Lene warf ihm einen zornigen Blick zu. »Ich schreibe meinem Vater überhaupt nicht.«
»Ungeratene Tochter!«
»Ja, aber wie kommt diese Frau ...?«
»Zu uns verruchten Bösewichtern? Sie scheint sich in der feudalen Umgebung recht unbehaglich gefühlt zu haben; ihre einzige Freude war ihr Sohn. Ein lieber, netter Junge, er ist vor einem Jahr gestorben. In ihrer Trauer hat sich die alte Dame verzweifelt an seine Freunde geklammert, und diese Freunde waren eben wir. Außerdem sagt ihr, sie ist eine Engländerin vom guten, alten liberalen Schlag, das preußische System so gar nicht zu. In vielen Dingen kommt sie freilich nicht mit, aber in den Hauptsachen verstehen wir einander sehr gut. Dort drüben geht's übrigens eben hitzig zu; hören wir, was es gibt.«
Der junge blonde Mensch rief eben heftig: »Sabotage ist Verbrechen, mit Gewalt ist nichts auszurichten, nur die Evolution vermag uns weiterzubringen.«
»Dummer Esel!« brummte Savin halblaut.
»Sabotage scheint mir unrichtig,« meinte die alte Dame, »weil sie eine Verschwendung guten Materials bedeutet, doch kann sie im gegebenen Moment ebenso angebracht sein wie jede Gewalt.«