Boris schüttelte den Kopf. »Flammengeister, ohne die nötige Tiefe. Ich glaube an die Deutschen. Wenn es einmal ernst wird, so werden sie die Probe bestehen.«
Savin zuckte die Achseln. »Einige Auserwählte, hinter denen dann die ganze Meute herkläffen wird. Die ›Partei‹ nicht.« –
Das Gespräch ward allgemeiner, Lene lauschte schweigend. Unverständliche Worte schlugen gegen ihr Ohr, fremde Begriffe stürmten auf sie ein. Unwillkürlich dachte sie an ihr Elternhaus zurück. Um diese Stunde saß der Vater über seinen Heften, und die Mutter nähte und stopfte. Ihr Heim erschien ihr als ein kleines Eiland im tobenden, aufgepeitschten Ozean, dessen Bewohner taub sind gegen das Gebrüll der Wogen, das Heulen des Sturmes. Wie viele solche Eilande gab es in Deutschland, wie viele Menschen, die sich auf ihnen gedankenlos sicher wähnten! –
Als eine kleine Pause im Gespräch eintrat, wandte sie sich an Savin: »Johannes sagte, Sie hätten für mich Arbeit?«
Er nickte. »Erst muß ich Sie tüchtig in die Schule nehmen. Sie sind ja leider grenzenlos unwissend. Später schicken wir Sie dann zu den Frauen, Propaganda treiben.«
»Mich?« Lene war ehrlich erschrocken.
»Ja, Sie sehen trotz der dunklen Haare und Augen so unverkennbar arisch aus. Ihnen kann man nicht alle Lehren mit einem ›Saujud‹ widerlegen.«
Sie schwieg etwas verlegen, er lachte. »Ja, das kommt häufig vor, auch Johannes ist es schon passiert.«
Die Tür wurde aufgerissen, Anatol trat hastig ein. »Kinder, es geht los, auf dem Balkan!«