»Ist ein Verbrechen kein Verbrechen, weil es auf einem anderen Erdteil geschieht?« warf Frau von Reuter vorwurfsvoll ein. Einen Augenblick herrschte Stille. Dann schrie der alte Jude schmerzlich auf: »Mord und Elend! Verbrechen und Sünde! Die Flammen verzehren das Haus, und ein böser Wind treibt sie näher und näher. Wer bewahrt uns vor der Feuersbrunst, wenn des Nachbarn Haus in Flammen steht?«


»Wie sehr Du Dich verändert hast, Johannes,« bemerkte Lene, da sie den Heimweg angetreten hatten, »daheim warst Du so still und verschlossen, erwecktest immer den Eindruck eines Fremden, der sich in ungewohnter Umgebung unbehaglich fühlt.«

»Das tat ich auch,« gab er zu, »die Luft daheim engte mir die Brust ein. Und dann, so ruhelos war mir zumute, als dürfe ich bloß einen Augenblick rasten, müßte dann fort, immer weiter und weiter. Wohin? Ich wußte es selbst nicht.«

»Und jetzt?«

»Jetzt ist mir, als hätte ich heimgefunden. In Boris' kleiner Stube fühle ich mich zu Hause. Die Menschen sind mir vertraut, ich empfinde ein Zugehörigkeitsgefühl zu ihnen, sie reden meine Sprache. Sogar den alten Rabbiner Löw verstehe ich.«

»Es ist doch schrecklich, daß auf dem Balkan Krieg ist.«

Er nickte.

»Was hat der alte Mann mit den Flammen gemeint?«

»Er faselt immer von einem Weltkrieg, der die Ruchlosigkeit der Menschen strafen wird. Aber das ist bei uns ausgeschlossen. Das Proletariat in allen westlichen Ländern würde aufstehen wie ein Mann, am Tage der Kriegserklärung hätten wir den Weltstreik.«