Der alte Mann legte ihr eine schöne Rose auf den Schoß. »Zum Dank, daß Sie gekommen sind, um mir zu helfen. Die arme, fremde, kleine Frau wird sich freuen, jemanden zu finden, mit dem sie französisch sprechen kann. Mit ihrem Deutsch hapert's immer noch ein wenig.«

Er setzte sich neben Lene. »Seien Sie recht freundlich zu der jungen Frau, ich glaube, das arme Kind fühlt sich hier sehr verlassen und fremd. Ich kümmere mich ja nicht um das Geschwätz der Leute, aber man hört doch so allerlei.«

»Wie ist Heinz Stramwitz auf die Idee verfallen, eine Italienerin zu heiraten?«

»Er hat sie in Florenz kennen gelernt. Die Großmutter der jungen Frau war eine weitläufige Verwandte der Stramwitz.«

Die alte Haushälterin kam eilfertig gelaufen, ihr freundliches rotes Gesicht glühte vor Aufregung: »Die Herrschaften kommen!« rief sie atemlos ....

Der alte Pastor ging seinen Gästen entgegen, während er sie begrüßte, betrachtete Lene die beiden mit Interesse. Heinz Stramwitz hatte sich wenig verändert, das war noch dasselbe herrische, arrogante Gesicht, der gleiche kalte Blick. Seiner hohen, gutgewachsenen Gestalt fehlte jede Biegsamkeit. Wie er mit dem alten Mann spricht! dachte Lene empört. Diese liebenswürdig herablassende Art, wie zu einem Untergebenen. Dann fiel ihr Blick auf die junge Frau. Gioia, Freude, wie der Name zu ihr paßte! Alles an dieser schlanken Gestalt schien Lebensfreude zu atmen, die warmschimmernden rotbraunen Haare, die großen, leuchtenden braunen Augen, der frische rote Mund. »Armes Kind,« meinte Lene bei sich, »was tust Du in unserer nüchternen, farblosen Gegend?«

Gioia Stramwitz schien ein wenig befangen. Artig, wie ein schüchternes Kind, beantwortete sie des alten Pastors Fragen. Sie sprach fehlerlos deutsch, doch redete sie langsam, etwas stockend, als ob sie die Worte suchen müsse. Heinz Stramwitz begrüßte Lene höflich, erkundigte sich nach Friedrich und Gustav.

Die Stimmung am Kaffeetisch war eine frostige, unbehagliche, das Gespräch stockte stets von neuem und der alte Pastor warf Lene hilfesuchende Blicke zu. Diese wandte sich an die junge Frau. »Vielleicht sprechen Sie lieber französisch, Gräfin?« Sofort leuchteten die braunen Augen auf. »Sie sprechen französisch? Wie schön! Da können wir richtig miteinander plaudern.«

»Du sollst Dich doch endlich daran gewöhnen, deutsch zu sprechen, Gioia!« warf ihr Mann etwas ungeduldig ein.

Sie blickte fast ängstlich zu ihm auf. Der alte Pastor legte sich ins Mittel: »Kommen Sie, Graf, Sie wollten ja meine Bienenstöcke sehen; wir lassen die beiden Damen hier.«