Heinz Stramwitz folgte dem alten Mann in die Richtung des Hofes, und Gioia wandte sich lebhaft in französischer Sprache an Lene. »Woher können Sie französisch? Und weshalb habe ich Sie noch nie gesehen?«
Lene lächelte über den Eifer der jungen Frau. »Französisch kann ich noch aus meiner Schulzeit; es ist auch danach. Was Ihre zweite Frage anbetrifft, ich bin seit anderthalb Jahren zum erstenmal wieder daheim.«
»Wo leben Sie?«
»In Berlin.«
»Waren Sie je in Italien?«
»Nein.«
»Schade, ich möchte so gerne mit jemanden zusammenkommen, der Italien kennt und liebt.« Heißes Heimweh klang aus der weichen Stimme und Lene fragte teilnahmsvoll: »Sehnen Sie sich sehr in Ihre Heimat zurück?«
»Mein Gott, wie sehr! Hier ist es ja auch sehr schön,« warf sie halb erschrocken ein, besorgt, die Heimatsliebe des Mädchens verletzt zu haben. »Aber alles ist so farblos, so kalt. Und dieser endlose Winter! Ich bin ganz verzweifelt geworden, als ich die Sonne so lang nicht sah. Auch diese große, graue Ebene ist so traurig. Bei uns gibt es freundliche Landschaften, so blau, mit weich verschwimmenden Hügeln; hier ist alles scharf und kantig, genau wie die Menschen!« Abermals blickte sie verlegen zu Lene auf: »Verzeihen Sie, ich wollte nichts Böses über Ihre Landsleute sagen.«
Lene lachte. »Sie dürfen es ruhig tun, auch ich finde die Leute hier entsetzlich. Haben Sie viele Bekannte?«
Gioia nickte betrübt. »Sehr viele, Heinz hat ja so unzählige Verwandte. Wir haben viel Besuch und ich weiß nie, was ich mit den Leuten reden soll; Kinder habe ich keine, ich weiß vom Berliner Hofleben nichts und anderes interessiert sie nicht. Mir tun die Leute leid, ihr Leben ist so arm, und es gibt doch so viel Schönes auf der Welt!«