Lene lachte, dann wurde sie ernst. »Wenn ich daran denke, wie sehr ich die Eltern kränken werde, ist mir gar nicht heiter zumute.«
»Warum tust Du es dann; hast Du eine solche Leidenschaft für Anatol?«
Sie gab ihm keine Antwort, starrte in die Schneeflocken hinaus, die ein heftiger Wind gegen das Fenster peitschte. Leidenschaft schien bei ihrer Liebesgeschichte wirklich keine Rolle gespielt zu haben. Sie hatten sich derart aneinander gewöhnt, daß sie sich das Leben nicht mehr anders vorstellen konnten. Die ganze Sache war höchst einfach und prosaisch gekommen. Vor drei Wochen saß sie bis spät in die Nacht bei Anatol, der ihr einen Artikel in die Schreibmaschine diktierte; als sie sich erhob, um heimzugehen, meinte er: »Es ist wirklich langweilig, daß Du immer fortgehen mußt; bisweilen fällt mir in der Nacht etwas ein, das am Morgen noch erledigt werden müßte, dann bist Du natürlich nicht da.«
»Daran ist leider nichts zu ändern.«
Er schaute sie nachdenklich an. »Bist Du eigentlich schon einundzwanzig?«
»Ja, seit Ostern. Weshalb?«
»Du bist also Dein eigener Herr?«
»Gott sei Dank!«
»Dann sehe ich wirklich keinen Grund, weshalb wir nicht heiraten sollten.«
Sie starrte ihn an. »Heiraten?«