Die Leute drängten sich um uns. ›Komm' nach Haus, Gioia,‹ sagte er erschrocken.

›Ich werde nie mehr Dein Haus betreten.‹ Ich wandte mich an die Leute: ›Gebt nicht zu, daß er mich anrührt.‹

›An die Arbeit, Gesindel, oder ihr seid alle entlassen!‹ brüllte Heinz. Und die Leute schlichen scheu hinaus, bis auf ein paar alte Frauen.

Ich bin auch nicht mehr ins Schloß zurückgegangen. Die Mutter des Müllers hat mich bei sich aufgenommen. Jetzt ist die Scheidung eingeleitet. Meine Eltern sind über mich empört und wollen nicht, daß ich zu ihnen zurückkehre. Da habe ich an Dich gedacht, Lene. Ihr wollt doch die Verbrecher, die Mörder vernichten, nehmt mich auf. Ich muß die tote Frau rächen und die anderen unzähligen Opfer.«

Als Lene den Freunden von Gioia erzählte, nickte Boris Isralew befriedigt. »Aus diesem Holz werden die Fanatiker geschnitzt. Sie soll nur bei uns bleiben. Ich werde darauf achten, daß sie keine unnötigen Dummheiten macht.«

Gioia fügte sich leicht in den Kreis ein. Sie war zu jeder Arbeit bereit, und Anatol, der es verstand, alle Fähigkeiten der Menschen auszunützen, entdeckte gar bald, daß die junge Frau eine vorzügliche Rednerin war. Der lodernde Haß ihrer Worte riß die stumpfsten Zuhörer mit, in kurzen Sätzen reihte sie Bild an Bild, Ungerechtigkeit an Ungerechtigkeit, bis im Saal ein ungeheuerliches Gemälde von Knechtung, Unrecht und Menschenleid aller Augen erfüllte und sich unauslöschlich in die Gehirne einbrannte.

»Die verkörperte Revolution,« meinte ein junger Maler, der sich den Freunden angeschlossen hatte, »so müßte man sie malen. Mit dem rotleuchtenden Haar, das wie Flammen aufloht. Alles ist an ihr Leben, Bewegung, treibender Haß.« –

Sie hatten sie alle lieb gewonnen, freuten sich ihrer Lebenskraft, ihrer Glut. Einem jedoch deuchte sie eine Offenbarung – Johannes. Ihre freudige Lebenslust schien ihm eine erwärmende Flamme. Jede Verzagtheit, jede Mutlosigkeit verging in ihrer Nähe. Die grauen Kinderjahre, das Gefühl der Einsamkeit, die ihn bisweilen noch bedrückten, verschwanden aus seinem Gedächtnis, eine farbenfrohe, leuchtende Welt tat sich ihm auf, ihm war, als habe er endlich die sonnige, beseligende, lang gesuchte Heimat gefunden.

»Sie ist gerade das Richtige für unseren Träumer,« meinte Lene erfreut zu ihrem Mann, »sie wird ihn aufrütteln.«

»Er schaut sie an, wie ein Kind den Weihnachtsbaum,« lachte Anatol, »mit ganz verklärten Augen.«