Gustav ist sehr blaß, er beantwortet kaum den Gruß der anderen, wendet sich sofort an die Schwester.

»Lene, wann kommen Deine Narren wieder zusammen?«

»Meine Narren?«

»Ja, Narren, Revolutionäre, Heilige, wie Du sie nennen magst. Ich will mich Euch anschließen, mit Euch arbeiten, kann nicht mehr abseits stehen.«

Die drei starren ihn betroffen an.

»Was ist mit Ihnen geschehen?« fragt Gioia verblüfft.

Gustav wirft sich aufs Sofa. »Geschehen? Ich habe eingesehen, daß jeder, der nicht gegen diesen gottverdammten Krieg arbeitet, ein Verbrecher ist, daß jeder, der abseits steht, ein Verbrecher ist, daß ...«

»Aber wie kommst Du mit einem Mal darauf?« Johannes betrachtet staunend den Freund; noch nie hat er ihn so erregt gesehen.

»Sie waren am Potsdamer Platz!« ruft Gioia erratend.

»Ja, zufällig kam ich vorbei. Ein Mann drückte mir ein Flugblatt in die Hand; ich las darin und fand alles, was dort geschrieben stand, richtig, trotz des ungeschliffenen Stils. Dann sah ich, wie sich Leute um einen Mann drängten; ich folgte ihnen, fragte, wer der Mann sei. Einer lachte: ›Das wissen Sie nicht? Das ist Karl Liebknecht.‹ Woher sollte ich das wissen, ich hörte den Namen zum erstenmal. Ich hörte zu, was Liebknecht sprach, es waren nur wenige Worte – aber es war die Wahrheit. Als ich dann sah, wie er abgeführt wurde, weil er die Wahrheit ausgesprochen hatte, ward mir seltsam zumute. Ich glaube sogar, ich habe mitgebrüllt, als er im Gehen nochmals rief: ›Nieder mit dem Krieg! Nieder mit der Regierung!‹« Gustav schöpfte Atem und trocknete sich den Schweiß von der Stirn.