Jenny war aufgefallen, daß die Strauße im Basler Zoo "echte Straußfedern" trugen. Lydia klagte, die Papageien hätten erbärmlich geschrien. Die Ohren gellten ihr jetzt noch davon. Man solle den Viechern die Hälse abschneiden, statt ihnen die Bälge mit Brot vollzustopfen. Nur Raffaëla schien einen stärkeren Eindruck gerettet zu haben.
"Kinder, der Elefant!" schlug sie die Hände zusammen und konnte sich gar nicht genugtun, "so etwas Schamloses gibt es nicht mehr!"
Giraffen hatten sie nicht gesehen. Auch keine Wildschweine. Einige
Affen. Doch das war alles.
Die Messe war interessanter. Wer mit Flametti ging, fand keine
Enttäuschung.
Erst im Panoptikum: "Der Feuerkessel von Tahure": da platzten die
Bomben! Da staunte das Volk! Da streckten die toten Poilus die
Beine zum Himmel, wie niedergeknallt auf der Hasenjagd!
Dann auf der Rutschbahn: zwei Karossen hintereinander: in der ersten
Flametti und Fräulein Laura. In der zweiten Herr Engel und Meyer.
Wie flog man dahin! Wie flog man daher! Dann beim "Jägersalon":
"Schießen Sie mal, junger Herr!" Und Herr Engel schoß, auf den
Trommler. Und traf ihn; mitten in die Visage. Der rasselte los.
Aber unentgeltlich. Man war ja Artist. Es war eine Freude, zu leben!
Mittlerweile war es nun Winter geworden, ganz unvermerkt, über Nacht, und man war gezwungen, sich enger zusammenzuschließen. Da gab es lange Gesichter.
"Jenny, wir haben ja gar keinen Ofen!" reklamierten Lydia und
Raffaëla zugleich.
"Ist doch nicht kalt!" tröstete Jenny, "je, seid ihr verfroren!"
Aber es waren fünf Grad unter Null.
"Eene klappernde Kälte!" meinte Herr Leporello in komischem Baß, mit hervortretenden Augen, und stellte sich vor den Ofen im Wirtslokal.