Neben herausgebügelten Bauernweibern, die in der Stadt ihre Einkäufe besorgten, saß ein französischer Invalide, dem beim Aufstehen die Krücken fielen. Neben dem Seifensieder, den die Reklameaufsätze der "Zündschnur" angelockt hatten, saß eine brotlose Köchin, voller Entschluß, unsittlich zu werden und sich im Varieté den entscheidenden Stoß zu holen.
Dabei reklamierte Herr Schnepfe von Basel aus zwei turmhohe
Rechnungen über gehabte Extraschnitzel, Hähnchen, Schnecken der Damen
Raffaëla und Lydia, die unter Nichtbegleichung der Zeche Knall und
Fall abgereist waren.
Man trat im "Krokodil" jetzt auf in Jennys neuen Orangekostümen.
Es war eine Sensation.
Jenny in diesem Matrosenkostüm sah aus wie Suppenkaspar auf Reisen. Rosas gemäßigte Hammelbeine daneben standen mit durchgedrückten Waden wie gedrechselt aus einem Stück, ohne Gelenke und Knöchel. Die Spatzenbeine der Soubrette gaben der Linie der drei Chanteusen einen wenigstens in der Perspektive harmonischen Abschluß.
Interessanter wurde das Bild, wenn die drei Damen sich dann vom
Profil her boten.
Mit einem gerissenen Haken schwenkte Herr Meyer auf dem Klavier:
"Da geh'n die Mädchen hin,
Da sitzt der Jüngling drin,
Da ist's, wohin sich alles zieht."
Das rechte Bein der Damen hob sich dreifach. Die hinterste Hosennaht der Matrosenkostüme, prall ausgefüllt mit Unterwäsche, schwankte, zuckte, zackte.
Losmarchierten die drei, mit zum Publikum geneigten Köpfen und gewinnender Eleganz.