Aber es war kein Erfolg. Und das hatte weniger ästhetische als moralische Gründe.
Es gelang den Damen Raffaëla und Lydia nach Leporellos Einberufung nicht länger, ihre Renommee aufrechtzuerhalten. Die Hochachtung schwand. Der Respekt der Apachenpartei erfuhr eine Ernüchterung. Man kam dahinter, daß die Vornehmheit der Zirkusartisten nur Getue gewesen war.
Es stellten sich allerhand ehrenrührige Fakta heraus. In früheren Zirkusengangements sollen sie schürzenvoll das Kleingeld weggeschleppt haben. Noch jetzt fand man unten am See, wo die Zirkusse standen, bei eifrigem Suchen und zufälligen Gängen Kupfer—und Silbermünzen, die beim Wegschleppen der Gelder zu Boden gefallen waren.
Es stellte sich auch heraus, daß Lydia und Raffaëla keineswegs
Artisten von Kindesbeinen auf waren, Artisten, die gewissermaßen
schon an der Mutterbrust in Spagat ausbrachen. Im Gegenteil: Frau
Scheideisen war Hebamme gewesen, eh' sie zum Zirkus ging und sich
Donna Maria Josefa nannte.
Raffaëla und Lydia legten auch keineswegs Wert darauf, mühevoll
Renommee und Distanz zu wahren.
Raffaëla hatte die Hände voll Arbeit mit ihrem Kinde. Lydia ging auf in der Sehnsucht nach dem entschwundenen Gatten.
"Ach, mein Emil! ach, mein Emil!" jammerte sie und die Tränen standen ihr in den Augen.
Die Sehnsucht verstörte ihr kleines Gehirn. Die Augen flossen ihr aus.
"Ach, Emil! ach, Emil! wer hätte das denken können!"
Hinauf lief sie in ihr Zimmer und schleppte die Photographieständer herunter, während der Vorstellung, um sie den Gästen zu zeigen.