"Haben Sie schon gelesen?" sagte Herr Köppke und steckte Meyer das
"Intelligenzblatt" zu. "Lesen Sie mal!"
Und Herr Meyer las, und Herr Köppke begab sich unauffällig an seinen
Platz zurück.
Eine Schlägerei fand statt zwischen Flametti und Herrn Köppke in der "Rabenschmiede", einige Tage später, daß zwei Tische und drei Stühle in Trümmer gingen, sowie zwei präparierte Hasenköpfe mit Glasaugen, die der Beizer der "Rabenschmiede" aus seinem Privatbesitz zur Ausschmückung des Lokals herangezogen hatte.
Das Renommee Flamettis ging flöten. Langsam, aber sicher.
Noch hatte er viele Freunde, und seine treueste Helferin war Mutter
Dudlinger, die ihm, stets lächelnd, im Hintergrund heimlich die
Stange hielt.
Noch hatte Flametti das Kapital hinter sich.
Noch konnte er auftrumpfen, sich sehen lassen, wenn das Geschäft auch täglich schlechter ging.
Als aber in der Silvesternacht die Polizei vier Mann hoch in Mutter Dudlingers Wohnung eindrang, wobei Herr Engel in knapper Not durch das Lokusfenster über die Dächer entkam, da schloß Mutter Dudlinger die offene Hand und versagte.
Lydia und Raffaëla rebellierten jetzt ganz offen.
Geschäft und Auftreten wurden ihnen täglich mehr Nebensache. In der Garderobe saßen sie herum, wenn das Klingelzeichen längst gegeben war. Sie beeilten sich gar nicht sonderlich, sich zu schminken, noch legten sie Wert darauf, pünktlich zur Vorstellung zu erscheinen. Herr Meyer war gezwungen, von Tag zu Tag längere Zwischenstücke zu spielen. Andere Nummern mußten eingeschoben werden, weil Raffaëla mit ihrer Frisur nicht fertig war für den Drahtseilakt, weil Lydia zum Cakeswalk erschien ohne das Zierstöckchen und ohne Knöpfe am Anzug, die ihr die Schwester in der Garderobe mutwillig abgetrennt hatte.