Mutter und Tante aßen ruhig weiter, in wetteiferndem Tempo, unbekümmert, sachlich, eilig, wie Harpyen, deren Geschäft es ist, möglichst viel Fraß zu schlucken und zu verdauen.

Flametti versuchte die Lücken in seinem Ensemble auszufüllen und eine
Geigerin kam ins Haus, eines Tags, um Probe zu spielen.

Leider: sie war nicht geschaffen fürs rauhe Leben. Von einer
gottergebenen Friedlichkeit war sie und Naivität. Hatte bis dato ihr
Brot verdient durch Aufspielen von Kinderstücken in den Kneipen und
Spelunken der Fuchsweide.

Erst war sie mit dem Zitherkasten gegangen, allabendlich. Dann hatte sie das Violinspielen gelernt.

Bleichsüchtig und hager, von einer rührenden Gottseligkeit war sie.
Sie säen nicht, sie ernten nicht, und doch ernähret sie der Herr.

Manch einer hatte sie mitgenommen aus Mitleid und ihr ein warmes
Nachtlager gegeben, wenn sie noch spät nach der Polizeistunde auf der
Straße irrte.

Engbrüstig und schmal war sie von Gestalt, ein Lehrerinnentyp.

Einen Kneifer trug sie und strich mit dem Fiedelbogen so ausdruckslos freundlich und doch akkurat und energisch ihr Instrument, daß man ihr wirklich nicht böse sein konnte.

"Soll ich mal was spielen?" fragte sie harmlos.

"Ja, fiedel mal los!" sagte Raffaëla.