"Na, steht's doch nicht schlecht mit dem armen Flametti!" meinte Herr
Farolyi, "wenn er sich noch Geflügel leisten kann. Kinder, der hat
gewiß Geld auf der Kasse. War ja ein Bombengeschäft damals, die
"Indianer"!"

Und eines Tags kam sie denn auch wirklich, die Gans; aus Rapperswyl.
Weiß, ohne Kopf, Klauen und Federn, lag sie auf einer Schüssel.

"Sehen Sie mal, Laura: schöne Gans, was?—Aber die kriegen nichts davon", deutete Jenny gegen die Treppe, über die Lydia und Raffaëla kommen mußten. "Die sollen sich mal trompieren!"

Und die schöne Gans, die fette Gans, die Riesengans wurde gebraten und lag nun hübsch gebräunt und knusperig, förmlich zerblätternd vor Knusprigkeit, auf derselben Schüssel, verschlossen im Büfett.

"Laura", sagte Jenny abermals, "glauben Sie, die kriegen was davon?"
Und zeigte wiederum zur Treppe. "Nicht das Schwarze unterm Nagel!
Geben Sie acht, was die für Gesichter machen werden! Das wird ein
Fez! Jawohl: Gans! Husten werd' ich ihnen was!"

Als aber Raffaëla und Lydia kamen, öffnete Jenny das Büfett wie man das Triptychon eines Altars öffnet.

"Seht her", sagte sie, "die herrliche Gans!" Und sie nahm die Schüssel aus dem Schrank und hob sie hoch, wie Salome die Schüssel mit dem Haupt des Jochanaan hochhob, und Raffaëla schrie auf:

"Aehhh, die Gans!"

Fanatisiert und rabiat warf sie die beiden Arme hoch, auf die
Schüssel zustürzend und sie umtanzend.

Lydia aber überkam es wie Verklärung. In den nächsten besten Stuhl sank sie.