Lena schüttelte den Kopf. Nein, sie hatte sich nie zu beklagen gehabt, noch war ihr je etwas abgegangen.
Max hämmerte gewaltsam mit seinem Hausschlüssel am Schiebladenschloß.
"Na, gut' Nacht!" rief Jenny, "ich sollte der Direktor sein! Ich würde sie anders zwiebeln! Hier die Gage, soundsoviel Abzug und den Schuh an den Hintern! Treppe hinunter."
"Ja ja, ich hör' schon!" fuhr Flametti jetzt auf. "Ich hör' schon.
Bin doch nicht schwerhörig! Dummes Geschwätz!"
Jenny war überrascht. Fräulein Lena ebenfalls. Er hatte doch gar nicht zugehört! Er hatte doch an dem Schloß laboriert!
Flametti stand auf, sehr rasch, krempelte seine Hemdärmel herunter, knöpfte das Halsbördchen zu und ging in die Küche, um sich die Hände zu waschen. Er kam zurück, nahm Joppe und Hut und ging.
"Da hast du es!" klagte Jenny, "da geht er. Ach Lena, ich bin ganz verzweifelt! So macht er es immer. Seit er die Geschichte hat mit dem Türken, ist er wie verdreht. Kaum den Löffel aus dem Mund—fort ist er. Alles mögliche hab' ich versucht. Er hört mich nicht einmal an. Wir gehen zu Grund. Ich seh's ja. Was soll ich nur machen?"
"Tja", meinte Lena, "was ist da zu machen?"
Flametti war dieser "Summs" zuwider.
Gewiß, er liebte seine Frau. Sie war ein wenig furchtsam von Gemüt und leicht zu übertreibungen geneigt, wie alle furchtsamen und aufgeregten Gemüter. Aber sie meinte es gut, war keine böse Natur und er hätte ihr gerne ein wenig Gehör schenken dürfen. Doch er schätzte es nicht, seine innersten Geschäfts—und Familiengeheimnisse coram publico verhandelt zu sehen.