Gewiß, das Geschäft ging schlecht. Schlechte Zeiten und keine
Schlager.

Gewiß, ein Ensemble von zehn lebendigen Menschen verlangt, sich standesgemäß zu nähren, zu kleiden und zu Triumphen geführt zu werden.

Obendrein: eine Konkubinatsstrafe von hundertachtzig Franken war zu zahlen—der Beamte der Kriminalabteilung hatte zweimal bereits die Quittung präsentiert—und von der Fischerei konnte man das nicht bestreiten. Das wußte Flametti selbst.

Aber Schlager fallen nicht vom Himmel. Er hatte schon seine Pläne. Man brauchte ihn nicht zu hetzen und die halbe Nachbarschaft dabei zuzuziehen.

Gar diese Lena: Ein schönes Stück Malheur! Die mußte dann gerade
noch kommen! Grausliches Weib! Keine galante Erinnerung aus seiner
Direktorenzeit war Flametti unangenehmer als diese. Ein Vampir.
Nicht von der Spur wich sie, wenn sie einmal Blut geleckt hatte.

Tüchtig war sie, als Pianistin. Russisch sprach sie auch, von Lodz her. Aber ein Mundwerk hatte sie wie ein Schwert. Eine böse Zunge. Und das nun verstand Flametti nicht, wie Jenny sich mit ihr einlassen konnte.

Man soll ihn in Ruhe lassen. Er wird es schon machen.

Die Hände in beide Hosentaschen gesteckt, so daß der Rockschoß weit hinten abstand, den breitkrämpigen Filzhut tief in die Stirne gerückt, froh, seinem häuslichen Glück entronnen zu sein, schickte Flametti sich an, einen Gang zu unternehmen durch sein Revier.

Dieses Revier nannte sich "Fuchsweide" und war der Konzert—und Vergnügungsrayon aller lebenslustig-abseitigen Kreise der Stadt. Treffpunkt der großen Welt, Schlupfwinkel einiger unsicherer Elemente, zugegeben. Aber alles in allem ein Monaco und Monte Carlo im kleinen.

Flametti fühlte sich frei wie ein Fürst. Aller Hader fiel von ihm ab. Aller Kleinmut verließ ihn. Hier kannte er jeden Weg, jeden Steg; jede Kneipe, jede Latrine. Hier war der Felsen, hier mußte gesprungen werden. Hier fielen die Würfel, hier war man zu Hause.