"Du mußt nämlich wissen", vertraute er dem Wirt, "ich hab' doch die Konkubinatsstrafe, weil wir nicht verheiratet waren. Nun hab' ich doch inzwischen geheiratet und prozessiert. Und da haben sie abgelehnt. Nun macht's mit den Prozeßkosten zusammen seine hundertachtzig Stein. Und die wollen sie haben von mir. Und dieser Kerl war doch früher Latrinenbesitzer. Dann ist er zur Polizei übergegangen. Das ist dieser Kranemann. Und das dumme Luder meint nun, er kann mich schikanieren.—Siehst du, er tut mir ja leid. Aber es ist doch zu fad: wo man hinspuckt, stolpern einem diese traurigen Kreaturen über die Füsse!"
"Ah, so so so so!" verstand jetzt der Wirt, "das ist der Kranemann. Ja, so zahl' doch die paar Stein! Dann hast du doch Ruhe! Man immer berappen!"
"Siehst du", kippte Flametti sein Bier, "jetzt erst recht nicht!
Jetzt sollen sie sich mal die Beine in den Leib laufen!"
"Tja", meinte der Wirt bedenklich, "die verstehen keinen Spaß. Da ist's schon das Gescheitste, man gibt nach." Er lächelte schablonig und strich sich die Hände.
"Maidche, komm her!" rief Flametti der Kellnerin und zog die Tüte mit den Leckerli aus der Rocktasche. "Das ist für dich!" Und Maidche nahm beschämt die Leckerli in Empfang.
"Ein Don Juan, dieser Flametti!" versicherte der Wirt seinen schmunzelnd weitertrumpfenden Gästen.
"War der Mechmed da?" fragte Flametti die Kellnerin.
"Nein, bis jetzt nicht."
Flametti sah nach der Uhr, geschäftsmäßig, ohne indessen verabredet zu sein. Nach der dritten Halben, als er eben gehen wollte, öffnete sich die Tür und herein trat Mechmed.
Ali Mechmed Bei hieß der Türke. Er wohnte im Parkhotel und kam aus Aleppo. Und darin hatte Jenny wohl recht, daß Flametti ein wenig verdreht war im Kopf, seit er den Türken kannte.