Ali Mechmed Bei: schon der Name faszinierte Flametti. Eunuchen, Sklaven und Harem wirbelten vor seinen aufleuchtenden Augen, wenn er in heimlichen Stunden den Namen vor sich hinsprach.

Ali Mechmed Bei: enorme Gelder mußte er haben. Man wußte nicht recht, was er eigentlich trieb. Aber er kam häufig in den "Vogel Strauß", und dort hatte Flametti seine Bekanntschaft gemacht.

Ein großes Tier mußte er sein unter seinesgleichen. Denn er hatte noble Allüren an sich. Dämonisch zog er die dichten, weißen Augenbrauen hoch, wenn man ihn ansprach, und pflegte mit den Fingern zu trommeln auf der Tischdecke. "Tja, mein lieber Freund!" sagte er dann, nickte mit dem Kopfe in einer weltmännisch-gewitzigten Weise und sah nach der Decke, wo er jede Fliege, jeden Schnörkel der Tüncherarbeit eingehend verfolgte.

Tiefe kaffeebraune Tränensäcke hingen ihm unter den Augen, und diese
Augen selbst blickten in abgründiger Melancholie.

Horrende Trinkgelder gab er, besaß einen Geldbeutel aus Affenhaut und roch, seiner orientalischen Herkunft gemäß, nach Zwiebel, Henna und Kokosnuß.

Dieser Türke Mechmed trat jetzt ins Lokal, und Flametti verfolgte jede seiner Bewegungen mit glühender, heißhungriger Sympathie.

Paletot und Regenschirm hing Herr Mechmed an den Kleiderhaken, und es kann zugestanden werden, daß die kleine, untersetzte Gestalt, die jetzt, zerfallen und morbid, aber freundlich lächelnd auf Flametti zukam, den mysteriösen Gestus jener Leute hatte, die im Traum wiederkehren. Jener Leute, die sehr wohl die Macht besitzen, ein Varietéunternehmen zugrunde zu richten, dessen Direktor nicht Zurückhaltung zu wahren weiß.

Dieser Türke Mechmed nämlich, dessen Smoking ölig glänzte, dessen äußeres fadenscheinig war, besaß ein Opiumlager, hier am Platz, auch Kokain und Haschisch, im beiläufigen Werte von vierzigtausend Franken, nur prima reine, unverfälschte Ware, erste Qualität, das er—je nun! —geschmuggelt hatte, und das er—verstehen Sie!—ohne Profit, nur weil es ihn behinderte, bereit war, bei konvenierender Gelegenheit abzustoßen.

Und da Flametti sozusagen Fachmann war—er rauchte Opium in der Zigarette, nahm es wohl auch im Bier—, den Rummel verstand, ein Kerl war, so sollte er, bei Gelegenheit, mal sehen, was sich tun ließ. Man hat Bekannte, einen Arzt, einen Advokaten, einen Geschäftsfreund. Ist ja 'ne Bagatelle, vierzig Mille, liegt ja auf der Straße, ist ja gefunden, ist ja ein Dusel. So sollte er also mal sehen, ob man nicht, unter der Hand, vielleicht einen Interessenten fände.

Und Flametti hatte sich auch umgesehen, seit acht Tagen—Geschäft ist Geschäft! Spitzbuben gibt es hier wie dort!—und einen Interessenten gefunden. Aber jetzt wollte er auch wissen, wofür.