Flametti hatte sofort das Gefühl: "der ist das Einheimsen gewohnt!" und erinnerte sich jener erstaunlichen Fertigkeit, mit der Herr Rotter im Germania-Cabaret die Pausen füllte durch Selbstverkauf seiner "Gesammelten Werke".
Flametti nahm das Ensemble jetzt an sich mit beiden Händen und begann zu lesen.
"Na, kannst es zuhaus in Ruhe studieren!" meinte Herr Rotter, "es klappt. Sei versichert!", und intonierte probeweise die erste Strophe.
Flametti gingen die Augen über vor Bewunderung.
"Die letzten von dem Stamm der Delawaren,
Die Kriegerscharen
Der Delawaren—"
Ausschritten die Rhythmen in gravitätischer Folge.
Flametti fühlte, wie seine Nase schärfer wurde, energischer: eine
Adlernase. Seine Augen kühner, verwegener, sprühend. Er fühlte die
Lanze in seiner Faust. Die Federbüschel liefen ihm kalt über den
Rücken hinunter. Sein Unterkiefer schob sich vor in bestialischer
Vehemenz.
Der Ober, beladen mit einem Pack Zeitungen und einem Cafécrème, schlängelte sich zwischen den Tischen hindurch und stieß an den Stuhl. Flametti wäre ihm knapp an die Gurgel gefahren. So schreckte es ihn aus der Illusion.
"Klappt alles. Unbesorgt!" versicherte Rotter.
"Hören Sie zu", sagte Flametti, "ich hab' ein Plakat machen lassen:
"Die Indianer". Großartig, imposant. Dreißig Franken. Beim
Lemmerle. Kennst ihn doch!"