"Duden Morgen!" dehnte Raffaëla bamsig und fett im Ton ihres Kindes, "sag' schön "Duden Morgen!", Lotte!"… "wir haben unsern Sirm stehenlassen neulich, und wollen ihn wieder holen….."
"Dida holen", echote die kleine Lotte.
"Dieder holen", wiederholte Raffaëla phlegmatisch.
"Ach, Raffaëla!" klagte Jenny, "ich bin ganz unglücklich! Gut, daß du kommst. Setz' dich, trink' 'ne Tasse Kaffee"!
"Tasse Taffee!" wiederholte Lotte.
"Denk' dir", fuhr Jenny fort, "diese Menscher! Sie stellen mir das ganze Haus auf den Kopf! Heut' abend haben wir doch die "Indianer". Und zu Haus geht alles drunter und drüber. Locken brennen sie sich am hellen Vormittag. Der einen hab' ich Ohrfeigen gegeben. Die heult draußen. Die andere hab' ich eingesperrt. Hinter meinem Mann sind sie her. Seit diese "Indianer" ins Haus kamen, hab' ich keine ruhige Minute mehr. Er ist der Häuptling Feuerschein, verstehst du, und sie sind seine "Mägdelein", sein Harem. Er hat sie in der Kur, alle drei, und sie trumpfen auf. Sie lassen sich nichts mehr bieten von mir. Sie werden frech. Was mach' ich nur?"
Raffaëla war sprachlos; fand aber soviel Besinnung, Lotte Kaffee einzugießen und Brote zu streichen.
"Nein", tat sie verblüfft, "so was! Geh', Jenny, 's ist nicht möglich!"—"Seine Mägdelein!" krähte sie, "nein, so was!" Sie schien für Flamettis Romantik noch weniger Sinn zu haben als Jenny.
"Geh', lach' nicht!" sagte die. "Er hat sie in der Kur. Ich weiß es ganz genau. Und sie trumpfen auf. "Das werden wir schon sehen", sagte dieser Fetzen, die Traute. Sie weiß, daß er ihr die Stange hält. Mit der Teekanne kommt sie an, gerade vorhin, und will sich Locken wickeln. Meine Handtücher schmieren sie mir ein. Die Betten zerschneiden sie mir. Die Vorhänge reißen sie mir herunter!"
"Na, das ist doch die Höhe!" war Raffaëla paff vor Erstaunen, und setzte die Geleeschnitte ab, die sie gerade in den geöffneten Mund schieben wollte. "Ja, läßt du dir das gefallen?"