Es war keine Zeit, sich aufzuhalten.
"Fort, Kinder! Anfangen, anfangen!" drängte Flametti. "Engel, den
Vorhang! Fertig? Herr Meyer!"
Die Mädel rannten hinter die Bühne. Flametti stürzte sein Helles hinunter. Der Zwergpintscher auf Fräulein Amaliens Busen kläffte, weil ihn Amalie kitzelte. Die Rosenlauben schwankten. Das Publikum rückte gespannt auf den Stühlen.
Klingelzeichen. Der Vorhang ging auf, und in einer Reihe standen:
Jenny, Rosa, die Soubrette, Fräulein Güssy und Fräulein Traute; alle
in Tangokostümen. Rot, blau, grün, gelb, violett die Schleifen im
Haar. Überflutet von Bühnenlicht. Ein zärtlicher Anblick.
Die hochgeschminkten Gesichter strahlten. Die fünf Paar Beine in
farbigen Seidenstrümpfen standen adrett geschlossen, Kadettenbeine.
Die duftigen Hänger in süßen Farben stützten kokett die baumelnden
Lockenköpfe.
Mehr oder weniger Busen sog sich voll Luft. Herr Meyer schlug den
Akkord an. Die ziegelrot übermalten Münder öffneten sich, und ein
Frühlings-Begrüßungsmarsch erfüllte die Bühne, das Publikum und die
Rosenlauben mit unternehmendem Marschrhythmus:
"Freunde, rasch voran, laßt die Becher kreisen!
Heiter immerdar Lieb' und Jugend preisen.
Freude nur allein kann das Leben schönen.
Schenket Kraft, spendet Mut, macht die Alten jung."
Der Beifall wurde lebhaft. Das Orchester richtete seine Instrumente und die Notenblätter her für die zweite Unternehmung. Das Publikum kam in Stimmung.
Gläser klapperten. Stimmen schwirrten. Satzfragmente zerknäulten sich im Zigarettenhimmel. Die Kellnerinnen riefen einander zu und Herr Schnabel legte die Hand an die zurückfliehende Stirn wie ein kleines Dach und übersah das Gewühl. "Mehr Stühle!" Man schleppte noch Stühle herbei.
Die Kassierungen kamen herein: Glänzend! Exzentrik-, Zauber-,
Gesangs—und Ensemblenummern lösten einander ab in wohlarrangierter
Steigerung. Zwischenmusik: die Kapelle des Herrn Fournier.