Pauline hatte doch Klugheit genug, um nur eine gleichgültige Verwunderung zu äußern. Dann fragte sie: »Und er wohnt bei Ihnen, natürlich?«

»Nein,« versetzte Madame Hölty, »er wohnt bei seiner Mutter.«

»Wie, die Mutter ist auch wieder hier und nicht wieder bei Ihnen?« rief Pauline boshaft.

Madame Hölty heuchelte Unbefangenheit. »Sie geht in wenigen Wochen nach Leuk, und da sie Freunde in der Stadt hat, so ist es ihr bequemer, in der Stadt zu bleiben. Sie wohnt in der großen Pension auf dem Quai, neben der Krone, drei Treppen hoch.«

»Und Herr Leon auch?«

»Herr Leon auch. Er war aber schon mehrere Male bei uns, und ich will in diesen Tagen einmal die Mutter und ihn zum Thee bitten – werden Sie mir da das Vergnügen machen, auch zu kommen?«

»Wenn ich wohl genug bin,« erwiederte Pauline, ihre Freude schlecht verbergend. »A propos, haben Sie nicht wieder neue Pensionaire bekommen?«

»Ja, einen Engländer mit seiner Frau.«

»Also zwei Ehepaare, denn die Deutschen sind doch noch immer da?«

»O ja, und sie werden auch bleiben; sie gefallen sich sehr bei mir.«