»Und sie lieben sich noch immer so?«
»Wo möglich noch mehr.«
»Ach, welches Glück! Und die Engländer – sind sie eben so zärtlich?«
»Nicht ganz so, aber doch auch sehr. Er hat seiner Frau zum Geburtstage eine goldene Uhr für zweihundert Franken gekauft, und jeden Morgen pflückt er ihr ein Sträußchen, das er ihr zum Frühstück auf den Teller legt.«
»Alle Frauen werden geliebt,« sprach Pauline kummervoll, »und –«
»Wir beide nicht,« vollendete Madame Hölty. »Was wollen Sie, Madame Picard, wir müssen uns darein ergeben. Die deutsche Dame sagte mir erst heute: »Madame, ich bewundere Sie. Jeden Abend aufsitzen, bis es Herrn Hölty gefällig ist, nach Hause zu kommen, dazu sind Sie wahrlich zu gut. Wenn ich in Ihrer Stelle wäre, ich gäbe Herrn Hölty einen Schlüssel und spräche: nun komme du nach Hause, wenn es dir beliebt, vor oder nach Mitternacht, aber mir erlaube, zu Bette zu gehen.«
Pauline konnte nichts weniger leiden, als so ein »Wir« von Madame Hölty. Sehr kühl fragte sie daher: »Und wollen Sie diesem Rathe folgen?«
»Ich möchte es,« sprach die Besucherin, indem sie aufstand, »aber, Madame Picard, der häusliche Frieden – was thut man nicht, um den zu erhalten? Sie wissen, ich hasse nichts so sehr, wie Unruhe im Hause. Dennoch sagte ich es meinem Manne heute bei Mittag – ich war es wirklich müde, ihn zu erwarten – die ganze Woche ist er nie vor elf gekommen. Ich sagte ihm also, daß ich ihm von nun an sein Abendbrod an das Feuer setzen würde, da könnte er es sich allein nehmen, wenn er nach Hause käme – mich aber würde er zu Bette finden.«
»Dergestalt, daß Sie ihm gerade sagten, was Sie ihm nicht sagen wollten,« unterbrach Pauline ungeduldig das Geschwätz. »Und was antwortete Herr Hölty?«
»O, er war böse. Er sagte, das sei ein deutscher Zank, und er würde diese Nacht gar nicht nach Hause kommen, sondern mit Freunden auf die Berge gehen.«